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Bekenntnise zur Geburtshilfe:

Ich mag Kinder! Sie sind toll! Sie verlieren nie ihren Mut, sie sind stolz auf ihr Tun und zeigen selbst in, für Erwachsene, aussichtslose Situationen einen bewundernswerten Optimismus und bringen uns immer wieder aufs Neue zum Lachen.

Doch das Wunder ihrer Geburt finde ich gar nicht zum Lachen! Abgesehen von den Schmerzen und den Qualen unter der Geburt, bringt mich die Geburtshilfe noch um den Verstand: wann muss ein Notkaiserschnitt her, wann helfe ich noch schnell mit dem Handgriff XY nach und was sagt mir eigentlich nochmal ein Polyhydramnion?

Ich sage mal so: „Die hätten sich lieber jemanden suchen sollen, der sich damit auskennt!“

In der Hoffnung auf ein bißchen Lernerfolg habe ich meine Kenntnisse mal wieder in Form der allseits beliebten Listen
zusammengestellt, damit ich, zum Schluss, selbst nicht den Überblick verliere, falls ich je einen hatte! An der Länge der Liste erkennt man meine Verzweiflung!

  • Der regelrechte Geburtsverlauf erfolgt aus 1. vorderer Hinterhauptslage mit:
    • Eintritt des Kopfes in den Beckeneingang im hohen Querstand: Pfeilnaht quer, große und kleine Fontanelle auf gleicher Höhe.
    • Tiefertreten, Beugung und Drehung des Kopfes: über Beckenmittenschrägstand Eintreten in den riefen Geradstand auf dem Beckenboden, Pfeilnaht gerade, kleine Fontanelle in Führungslinie
    • Austritt des Kopfes aus dem Becken nach Übergang des gebeugten Kopfes in gestreckte Haltung
    • Geburt der Schultern nach Übergang aus dem hohen Schulterquerstand in den tiefen Schultergeradstand
      • … und somit Willkommen auf der Welt!!!
  • Der Laterale Dammschnitt: Durchtrennung des M. bulbospongiosus
  • Condylomata acuminata durch HPV und Condyloma lata durch Treponema pallidum!!!
  • Bromocriptin zum Abstillen
  • Prolaktin (ausgeschüttet durch den Saugreiz) induziert den Milcheinschuss am 3.Tag und führt zur Laktationsamenorrhoe
  • Oxytocin stimuliert die Wehentätigkeit und sorgt durch Kontraktion der Myoepithelzelen zum Auspressen der Milch und Uterusrückbildung im Wochenbett
  • Prostaglandin E2 zur Zervixerweichung zur Geburtseinleitung, Abruptioinduktion und Prostaglandin F2 zur Förderung der Uteruskontraktion und Stillung atonischer Blutungen
  • Methylergometrin zur Stillung uteriner Blutungen, z.B. bei Myomen
  • XXY Klinefelter-Syndrom und 45,X-45-XY oder 45XO ist eine Ulrich-Turner-Mosaik
  • Abruptio bis zur 7.SSW: Antigestagene z.B. Mifepriston
  • Abrutio bis zur 10.SSW: einzeitige Uterusentleerung nach Zervixdilatation durch Absaugen und ggf. einer Nachkürretage
  • Abruptio ab 12.SSW: Prostaglandinapplikation zur Auslösung einer Fehlgeburt, anschl. Kürretage
  • Fragen zu den Leoopold’schen Handgriff kommen praktisch in jedem Examen vor!
    1. Leopold’scher Handgriff:
    Bestimmung des Fundusstandes als Maß für die Uterusgröße ab 22.-24. SSW
    2. Leopold’scher Handgriff:
    Feststellung der Lage und Stellung des kindlichen Rückens; 1.Stellung heißt Rücken liegt links, 2.Stellung bedeutet Rücken liegt rechts
    3. Leopold’scher Handgriff:
    Ermittlung des vorangehenden Kindsteiles (Schädel- oder Steißlage)
    4. Leopold’scher Handgriff:
    Ermittlung des Höhenstandes des kindlichen Kopfes
    5. Leopold’scher Handgriff (= Zangenmeister-Handgriff):
    Diagnostik eines Missverhältnisses zwischen Becken und kindlichem Kopf
  • Höhe des Fundusstandes in Abhängigkeit von der Schwangerschaftswoche:
    • SSW Fundusstand
    • 16 3 Querfinger über der Symphyse
    • 20 3 Querfinger unterhalb des Nabels
    • 24 Nabelhöhe
    • 28 3 Querfinger oberhalb des Nabels
    • 32 zwischen Nabel und Processus xiphoideus
    • 36 am Rippenbogen („Höher geht nicht, ab hier geht es nur noch abwärts!“)
    • 40 1-2 Finger unterhalb des Rippenbogens
  • Geburtsmechanisch wichtige Begriffe:
  • Lage definiert die Längsachse des Kindes zum mütterlichen Körper: normal: Längslage, pathologisch: Querlage
  • Stellung ist die Stellung des kindlichen Rückens innerhalb des Uterus: nach links 1. Stellung, nach rechts 2. Stellung
  • Haltung definiert Verhältnis der kindlichen Körperteile zueinander: normal: Flexionshaltung (hinterhauptsstellung), pathologisch: Deflexionshaltung (Vorderhauptstellung)
  • Normale Geburtsmechanismen:
    • Hoher Querstand
    • Tiefer Geradstand
    • Vordere Hinterhauptslage
    • Leitstruktur ist die kleine Fontanelle
  • Unmögliche Geburtsmechanismen:
    • Querlage
    • Mentoposteriore (dorsoanteriore) Gesichtslage
    • Hinterer Asynklitismus (nach Litzmann)
  • Credé-, Fritsch- und Hamilton-Handgriff: zur manuellen Kompression bei Uterusatonie
  • Methode nach Veit-Smellie und Manualhilfe nach Bracht: zur Kindsentwicklung aus Beckenendlage
  • Polyhydramnion beudeutet verminderte oder keine Aufnahme des Fruchtwassers, erhöhte perinatale Mortalität und Morbidität, häufigeres Auftreten vorzeitiger Wehentätigkeit und vorzeitiger Blasensprung
    • idiopathisches P. (am häufigsten)
    • Ösophagusatresie
    • maternofetale Infektionen, durch CMV, Toxoplasmose, Verizellen, Parvovirus B19, Listeriose
    • bei Gendefekten
    • bei Mehrlingsschwangerschaften
    • bei Diabetes mellitus
    • Rhesusinkompabilität
  • Oligohydramnion: führt zu Lungenhypoplasie und fetalern Kontrakturen (Klumpfuß, Verbiegung langer Röhrenknochen, Verkrümmungen der Gelenke) und Ursachen können sein:
    • vorzeitiger Blasensprung (am häufigsten)
    • Übertragung durch abnehmende Plazentafunktion
    • (chronische) Plazentainsuffizienz
    • Chron. SS induzierter Hypertonus, Präeklampsie
    • Diabetisch Gefäßerkr.
    • Kongenitale Anomalie, v.a. Anomalien des Urogenitaltrakts (Potter-Syndrom)
    • Chromosomenaberrerationen, z.B. Trisomie 18
    • Fetofetales Transfusionssyndrom
  • Aborte:
    • Abortus imminens = dohender Abort: Vaginale Blutung, Muttermund geschlossen, fetale Herzaktion vorhanden
    • Abortus incipienes = beginnender Abort: vaginale Blutung, Muttermund geöffnet, fetale Herzaktion kann positiv oder negativ sein
    • Abortus incompletus = unvollständiger Abort: vaginale Blutung, Muttermund geöffnet, keine fetale Herzaktion, unvollständiger Fruchtabgang mit intrauterinen Resten
    • Abortus completus = vollständiger Abort: Fruchtanlage vollständig ausgestoßen, keine intraunterinen Reste mehr vorhanden
    • Missed abortion = keine vaginale Blutung, Fruchtanlage ist intrauterin, aber keine fetale Herzaktion
  • Infektionen in der Schwangerschaft, in From pränataler Infektionen, werden vom „STORCH“ gebracht: Syphilis, Toxoplasmose, Others (Listerios), Röteln, Cytomegalie, Hepatitis/Herpes
  • Röteln mach eine Embryopathie und erscheinen als Gregg-Syndrom als „HIK“: Herzfehler, Innenohrschwerhörigkeit, Katarakt

So verabschiede ich mich mit der Erkenntnis des Tages:

„Wir werden das Kind schon schaukeln – hoffentlich!“

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Bewertung: 4.9/5 (22 Stimmen)
 von Jenny am 13. März 2009

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Hilfe, schon wieder ein Virus, …

und damit wir alle den Überblick in Infektiologie und Hygiene nicht verlieren und alles was da so rum kreucht und fleucht nicht durcheinander werfen, habe ich uns hier nochmal eine kleine Zusammenstellung weiterer wichtiger Virusgruppen erlaubt (weitere Viren findet ihr in dem Artikel „Spielend durch die Pädiatrie“):

  • Herpesviren:
  • HHV1 verursacht Herpes labialis
  • HHV2 verursacht Herpes genitalis
  • HHV4 imponiert in Form des Epstein-Barr-Virus als infektiöse Mononukleose oder orale Haarzellleukoplakie
  • HHV5 ist das Cytomegalie Virus (Zur Erinnerung: „CMV macht CMV!!!“)
  • HHV6 verursacht das Exanthema subitum
  • HHV8 verursacht bei HIV das Kaposi-Sarkom
  • VZV imponiert als Windpocken und Zoster
  • Humane Papillomaviren verursachen:
  • Condyloma accuminata, z.B. vom Typ 6, 11, 16, 18, 31, 45
  • Condyloma plana (flache Form der C. accuminata, v.a. an der Cervix)
  • Verrucae planae juveniles
  • Verrucae vulgares („die gemeine Warze“)
  • Bowenoide Papulose des Genitales (pigmentierte Penispapeln) (CAVE: nicht gleich dem Mb. Bowen!)
  • HIV ist ein Retrovirus:
  • überträgt sich sexuell, parenteral, vertikal
  • zerstört die Zellen mit CD4-Antigen, v.a. die T-Lymphozyten, Makrophagen und Monozyten
  • verläuft in 3 Stadien:
    • Stadium A: Akute HIV-Infektion, meist asymptomatisch, teilweise grippeähnlich, Lymphadenopathie
    • Stadium B: Symptome, aber noch kein AIDS, d.h. Krankheiten durch Störung der Immunabwehr wie Soor, Zoster oder orale Haarleukoplakie
    • Stadium C in Form von AIDS: mit den sog. AIDS-definierenden Erkrankungen:
      • bakteriell: TBC, MOTT, Pneumonien
      • viral: CMV, Herpes simplex/zoster
      • mykotisch: Pneumocystis jiroveci, Kryptokokkose mit Pneumonie und Meningitis, Candida
      • neoplastisch: Kaposi-Sarkom, Lymphome (EBV!), Cervix-Ca (HPV!)
      • Protozoen: Toxoplasmose, Kryptosporidien mit Diarrhoe
      • weiterhin: Wasting-Syndrom mit unaufhaltsamem Gewichtsverlust, Encephalopathien, Demenz
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Bewertung: 5.0/5 (5 Stimmen)
 von Jenny am 7. März 2009

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Hey,

ich hoffe, dass ich euch die Kinderheilkunde etwas näher bringen konnte, vielleicht euch sogar ein Lächeln entlocken konnte mit meinem Artikel!? Hier nochmal eine kleine Ergänzung zu den Impfungen, damit man bei den ganzen Impfterminen nicht den Überblick verliert:

  • Die ersten vier Impftermine sollen lt. STIKO im 1. Lebensjahr erfolgen: Diptherie, Pertussis, Tetanus, Pneumokokken, HBV, Hib, Polio. Wie sich das jemand auf Anhieb merken soll, ist mir ein Rätsel. Ich merke mir: „Die pummelige Tante Petra hat Hummeln im Po.“
  • Zum 1. Geburtstag dann „muss Mama mal richtig vorsorgen“ mit Mumps, Masern, Menigokokken, Röteln und Varizellen.
  • Mit 5-6 Jahren sollte man dann Tetanus, Diphterie und Pertussis auffrischen mit Tdap!
  • Mit 9-17 Jahren sollte man wieder Tdap und zusätzlich IPV auffrischen!

Viel Freude beim Impfen!

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Bewertung: 5.0/5 (5 Stimmen)
 von Jenny am 6. März 2009

Free happy smiling baby face stock photo

Lachen ist gesund!

Heute war ein schöner Tag! Mit Kindern zu arbeiten macht nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch Freude!

Mit einigen Merksprüchen und Merksätzen, teils gehört, teils selbst kreiiert, möchte ich euch meine Gedankenstützen natürlich nicht vorenthalten – im Gegenteil! Ich möchte euch ermutigen, Spaß an der Sache zu haben, vielleicht auch hin und wieder auf eine kindliche Art und Weise. Erst recht, wenn man gerade mitten im Pädiatriestoff steckt!

Also, zurücklehnen und mal lächeln:

  1. „CMV MACHT CMV“ (Darf ich euch mit Stolz verkünden und falls es eine Patentierungsmöglichkeit dafür gibt, werde ich diese dafür beantragen!), was soviel bedeutet wie Cytomegalievirus, M=Meningoencephalitis, A=Anämie (nämlich eine hämolytische), C=Chorioretinitis, H=Hepatosplanomaglie, T=Thrombozytopenische Purpura, C=Chrorioretinitis, M=Mikrocephalus, V=Verkalkungen um die Ventrikel.
  2. „Toxoplasmose HIC“ bedeutet soviel wie Hydrocepalus, Intracerebrale Verkalkungen, Chorioretinitis.
  3. „Adenoviren ALDI“ soll heißen: Augen (Konjunktivitis), Lunge (Bonchitiden), DIarrhoe.
  4. „Coxsackie A macht eine Herpangina“ und „Coxsackie B die Böse Bornholm-Krankheit mit Teufelsgriff“!
  5. „Mumps ist MOPPE“ heißt Meningitis, Orchitis, Parotitis, Pankreatitis, Epididymitis.
  6. „Scharlach ist die A-Krankheit“: Fieber + Angina tonsillaris, Papillitis (verursacht die Himbeerzunge), Enanthem der Mundschleimhaut, Exanthem mit perioraler Blässe (2.-4. Tag), Plantar- und Palmarerythem, Hautschuppung (2.-4. Woche).
  7. „Rheumatisches Fieber ist SPECK“ definiert S=Subkutane Knötchen, P=Polyarthritis, E=Erythema annulare, C=Chorea minor, K=Karditis als Hauptkriterien nach Jones!
  8. Die Lebendimpfungen haben sich in meinem Gehirn wie folgt eingebrannt: Mama mag Rosen vom rot-gelben Typ, Opa bevorzugt Primeln! Masern, Mumps, Röteln, Varizellen, (Rotaviren), Gelbfieber, Typhus (aktuell von STIKO empfohlen) OPV (orales Poliovakzin), BCG (TBC), Pocken sind zur Zeit OUT!

Somit wünsche ich euch viel Freude mit unseren kleinen Freunden in der Pädiatrie. Mir zumindest haben diese Sprüche den Tag versüßt!

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Bewertung: 4.4/5 (17 Stimmen)