von Matthias am 27. Oktober 2008

Golden hillside in Wisconsin

Liebe STEXler,

dieser Post soll einen kurzen Einblick in meine derzeitige Lernsituation gewähren. Falls ihr Lust habt, die eure mit den Lesern und mir zu teilen, fühlt euch frei. Ihr seid mehr als willkommen.

Was lerne ich?

Mein Rezept zur erfolgreichen mündlichen Prüfung sieht eine ausgewogene Mischung aus Prüfungsprotokollinhalten und häufigen Krankheitsbildern vor. Die Zutaten des heutigen Tages:

  • Myokardinfarkt
  • Herzinsuffizienz
  • Lungenembolie
  • Cor Pulmonale und Pulmonale Hypertonie

Wie lerne ich?

Jedem Krankheitsbild, ganz egal wie oft es bereits auf der Speisekarte stand, widme ich noch einmal meine volle Aufmerksamkeit. Dabei kommt stets ein 8-Gänge-Menü auf den Schreibtisch, bestehend aus:

  • Def.
  • Epi
  • Ä
  • Patho (intensivier als sonst …)
  • Klinik
  • Dia
  • The
  • Prog

Da auch das Auge mitisst, mache ich mir noch einmal, aber wirklich ganz kurze, im wahrsten Sinne des Wortes stichwortartige Lernkarten, die dann am Abend wiederholend überflogen werden. Daneben stelle ich mich hin oder laufe im Zimmer herum, die Zutaten laut vor mir hersprechend, um das freie Reden zu üben. Auf die Lernkarten notiere ich auch eigene Fragen, die abends nach einer Antwort verlangen.

Womit lerne ich?

  • Innere: Herold
  • Chirurgie: Müller
  • HNO: Checkliste und Boenninghaus
  • Pathologie: Riede, Werner, Schaefer
  • Wikipedia

Wie läuft das so?

Ich bin ganz zufrieden. Im Grunde macht es richtig Freude, sich wieder einmal am Stück und intensiver mit einem Krankheitsbild zu befassen. Klinikferne Infos lasse ich links liegen, so dass wirklich das reine Handwerkszeug Beachtung findet. Nicht selten habe ich das Gefühl, den Kreis zu schließen und Dinge zu verstehen, die ich vorher entweder überlesen oder mir lediglich krampfhaft eingeprügelt habe. Auch freue ich mich, wenn ich mal einen alten IMPP-Freund wiedersehe, meisten weder dick markiert noch unterstrichen, sondern eher im Kleingedruckten, wie der schüchterne Junge in der Ecke des Klassenzimmers. Die Bücher, die ich bisher immer als überzogen vollgepackt etickettiert habe, erleben ihre Renaissance und wir gemeinsam unseren zweiten, bzw. eigentlich ersten richtigen Frühling.

Wo liegt der Haken?

Ganz ehrlich, so richtig finde ich heute keinen. Ok, ich bin halt nicht mehr so fit. Die schriftliche Prüfung hat meinem Energiehaushalt definitv ganz schön zugesetzt. Darum schlafe ich viel und versuche, die restliche Zeit wieder viel mehr zu genießen. Ein großer Brocken war das, der da von mir abfiel. Und wie immer nach einem erreichten Ziel fällt man in ein Loch, aus dem man sich halt langsam ans Licht zurückkämpft. Dann wankt man ein paar Tage so durch die Welt und irgendwann ist es so, als wäre nichts gewesen, die Strapazen des Sommers verblassen und kehren dorthin zurück, wo sie hergekommen sind. Irgendwie seltsam, oder?

Ok, so sieht bei mir aus, am 27. 10. 2008. Wie ist es bei euch?

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Making The Change

Liebe STEXler,

vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich das große Glück, in der herzchirurgischen Abteilung am Sunnybrook Health Science Center im kanadischen Toronto einige Wochen meines PJs verbringen zu dürfen. Die wundervollen Einblicke in die Arbeits- und auch Lebensweisen der Ärzte und Mitarbeiter dort haben mich definitiv geprägt und ich denke noch heute sehr gern und oft an diese Zeit zurück.

Am meisten begeisterte mich die offen-zugewandte Art des Miteinanders zwischen quasi allen, die in diesem großen Haus arbeiteten. Hierarchische Denkmuster habe ich, wenn überhaupt, dann nur als blinden Passagier bei mir selbst beobachtet.

Ich kann darum kaum in Worte fassen, wie sehr ich mich darüber freue, dass sich Dr. Michael Borger als kanadischer Arzt in Deutschland für dieses weitere „Interview der Woche“ zur Verfügung gestellt hat und möchte mich auf diesem Wege ganz herzlich bei ihm bedanken. Ein Stück Kanada hier auf STEXDOSE – ich bin überglücklich!

STEXDOSE.de: Dr. Borger, Sie sind seit mehr als zwei Jahren als Herzchirurg im renommierten Herzzentrum Leipzig tätig. Zuvor haben Sie mehrere Jahre in Kanada am Toronto General Hospital gearbeitet. In welchen Bereichen können wir Studenten in Deutschland etwas von der kanadischen Mentalität lernen?

Die deutschen Studenten müssen mehr involviert werden, denn ich merke zu oft, dass die Studenten relativ passiv und ruhig sind. Das „Bedside Teaching“ ist nicht so strukturiert wie in Kanada. Aber wenn man etwa lernen will, muss man aktiv am Lernprozess teilnehmen.

STEXDOSE.de: Welches sind die größten Schwierigkeiten, die Ihnen in ihrer Tätigkeit als Arzt im Ausland begegneten und begegnen?

Deutsch zu lernen. Und ich vermisse Ice-Hockey.

STEXDOSE.de: Wie motivieren Sie sich?

Meine Frau motiviert mich.

STEXDOSE.de: Was konnten Sie sich während Ihrer Ausbildung immer ganz schlecht merken und wie haben Sie es sich am Ende dann doch eingeprägt?

Die Namen der Hirnnerven. Schließlich habe ich eine Eselsbrücke gelernt, die ich leider mittlerweile vergessen habe.

STEXDOSE.de: Worauf sollten ihrer Meinung nach Medizinstudenten in mündlichen Prüfungen achten?

Man soll eine Flasche Wasser mitbringen, sodass der Mund nicht so trocken wird. Und Kaugummi raus!

STEXDOSE.de: Was würden sie einem jungen Mediziner hinsichtlich seiner Karriere im Jahr 2008 raten?

Lesen, lesen, lesen, aber nicht nur Fachliteratur.

STEXDOSE.de: Was ist in Ihren Augen die wichtigste Eigenschaft, um als Mensch und Arzt erfolgreich zu sein?

Man muss ein Fach finden, das man wirklich genießt. Aber es klingt einfacher als es wirklich ist. Ich habe meine Meinung mehrmals geändert, bevor ich die Herzchirurgie entdeckt habe.

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 von Matthias am 24. Oktober 2008

love is in the air

Liebe STEXler,

die erste von drei Lernwochen für die mündliche Prüfung mündet in ihr Ende. Sie war belebt von grundlegender HNO, praxisnaher Innerer Medizin, überblickender Chirurgie und tiefgehender Pathologie. Gestern war irgendwie die Luft raus und dafür der Wurm drin, aber nach einem freien Nachmittag ging es heute wieder bedeutend besser.

Nach anfänglicher, na nennen wir es mal „höflicher Distanz“, lernen wir uns nun auch ein wenig näher kennen, die Pathologie und ich. Ich muss gestehen, dass ich ihr bisher auch nicht gerade mit offenem Herzen gegenüberstand. Unsere Interessen gingen einfach auseinander.

Als ich nun heute so durch den Riede-Schaefer blätterte, stieg unterbewußt eine Frage in mir auf:

Was ist eigentlich Pathologie? Wirklich die Seele der Medizin? Oder doch nur ein Sammelsurium theoretischen Tiefgangs?

Möglicherweise keines von beiden, aber irgendwo dazwischen.

Als ich wie automatisiert Seite um Seite nach einem bestimmten Thema durchsuchte, endete dieses Vorhaben plötzlich am Glossar und da fand ich etwas, was mich aus der Lethargie monatelangen Lernens wachrüttelte: Die Antwort darauf, was Pathologie ist. Und vielleicht sogar noch ein wenig mehr:

„Damit sind die abnormen Äußerungen des Lebendigen besprochen, die zu einem Leiden führen. Pathologie, direkt als „Lehre des Leidens“ übersetzt, soll lehren, woran man ein bestimmtes Leiden erkennt, und seinen Ablauf begreiflich machen, damit der behandelnde Arzt gezielt lindern kann. Auf diese Weise leistet die Pathologie einen wichtigen, gesellschaftspolitischen Beitrag. Denn eine Gesellschaft, der das Leiden des Einzelnen gleichgültig ist, wird rücksichtslos und unmenschlich. Mehr noch, die Auseinandersetzung mit dem Leiden kann für den Einzelnen einen Gewinn bedeuten. Denn der Grund, weshalb unsere Seele zeitweilig von einem Körper umgeben wird, könnte darin liegen, dass sie nur so fähig ist zu leiden und sich mitzuteilen und schließlich nur so die Möglichkeiten erhält, die wichtigste Dimension der Schöpfung zu erfahren: die Liebe.“ (aus Riede, Werner & Schaefer: Allgemeine und spezielle Pathologie; S. 1176)

Dem möchte ich nichts hizufügen, außer: Euch allen ein wunderschönes Wochenende!

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Homework

Hallo,

meine zweiter Lerntag auf die mündliche Prüfung geht zu Ende. Ich bin ganz zufrieden, wie es lief, auch wenn ich nicht mehr ganz so fit bin wie Anfang August.

Trotzdem genieße ich den klinischen Bezug, den ich beim Kreuzen hier und da vermissen musste.

Die Themen von Tag 1 und 2:

  1. Grundlegende klinische Anatomie, Physiologie und Untersuchungstechniken zum Ohr sowie Gehör und Gleichgewichtsorgan.
  2. Pathologie zur Arteriosklerose.
  3. Akutes Abdomen.
  4. Hyperlipoproteinämie.
  5. Arterielle Hypertonie

Im Zuge der montäglichen Internetrecherche zur mündlichen Prüfung bin ich auf ein paar aus meiner Sicht nützliche Dinge gestoßen, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Ich habe es als kleine Liste für euch zusammengestellt.

Da ich die Prüfung ja selbst noch vor mir habe, kann ich nur wiedergeben, was ich gefunden habe. Bitte fühlt euch frei und erweitert sie mit euren Erfahrungen und eurem Wissen.

Hier also die besten Tipps für die mündliche Prüfung im Staatsexamen:

  • Vorbereitung:
    • Trefft euch mit eurer Gruppe.
    • Kontaktiert euren Prüfer und stellt euch falls möglich als Gruppe vor.
    • Strebt einen ähnlichen Wissensstand an, zu inhomogene Gruppen wirken sich eher negtiv aus.
    • Falls ihr nicht wißt, wie ihr lernen sollt, nehmt das Inhaltsverzeichnis eines Kurzlehrbuchs, schaut, was ihr zu den Überschriften wißt und erstellt dann anhand eurer Lücken einen Lernplan.
    • Sucht euch Prüfungsprotkolle. Ist inhaltlich eine Struktur erkennbar?
    • Falls ihr keine findet, kann das Spezialgebiet des Prüfers als Richtschnur helfen. Aber versteift euch nicht darauf! Manche Prüfer fragen ganz bewußt nicht ihr Fachgebiet, weil sie den Schweregrad ihrer Fragen kaum mehr einschätzen können.
    • Gewöhnt euch ein festes Schema an, nach dem ihr lernt und antwortet (Def. – (Epi -) Ä – Symp – Dia – The).
    • Ziel ist es, die Erkrankung zu verstehen und sie erklären zu können. Verschwendet keine Zeit mit Seltenheiten!
    • Denkt euch eigene Fragen zu Themen aus, die ihr dann selbst beantwortet. Was könnte der Prüfer fragen?
    • Trainiert, den Stoff laut vor euch her zu sprechen.
    • Trainiert Untersuchungstechniken und eine struktierte Patientenvorstellung.
  • Lerngruppe:
    • Gruppengröße 2-4.
    • Vereinbart exakt die Themen, die ihr abhandeln wollt.
    • Setzt Euch einen konkreten Zeitrahmen und nutzt diesen produktiv zum Lernen!
    • Stellt die Prüfung so authentisch wie möglich nach. (Anrede „SIE“!)
    • Nutzt erneut das gleiche Schema (Def. – (Epi -) Ä – Symp – Dia – The).
    • Traniert kurze, präzise Antworten!
  • Prüfungstag:
    • Aufregung ist ok!
    • Falls sie euch zu übermannen scheint, denkt den schlimmsten Fall zu Ende und schaut, was passiert.
    • Kleiderordnung: Etwas feiner als sonst, doch das wichtigste ist: Ihr müßt euch wohl fühlen!
    • Kaugummi raus, kleine Wasserflasche mitnehmen.
    • Seid ruhig und konzentriert.
  • Fragenformen:
    • Offen
      • Antwortet strukturiert (Def. – (Epi -) Ä – Symp – Dia – The), präzise und flüssig.
      • Greift als Schlußsatz eine Problematik auf, in der ihr euch gut auskennt.
    • Nachfragen
      • Sollen das angeschnittene Thema vertiefen.
      • Der Schwierigkeitsgrad wird steigen – bleibt ruhig und konzentriert!
    • Fallbeispiele
      • Soll in „handwerklichen“ Fächern sehr beliebt sein.
      • Es besteht die Chance auf ein kollegiales Gespräch.
      • Nennt zu Beginn ein paar wichtige Differentialdiagnosen.
  • Mögliche Probleme + Lösung:
    • Ihr könnt nicht antworten. -> Fragt nach oder bittet um weitere Infos (das hilft auch, falls man mal am Prüfer vorbeiredet…)
    • Das „Aha“ bleibt trotzdem aus. -> Meist wechselt der Prüfer dann selbst das Thema.
    • Ein Mitstreiter „stürzt ab“. -> Bleibt ruhig und konzentriert, auch der Prüfer fühlt sich unwohl.
    • Schwerer Prüfer. -> Lernen, lernen, lernen.
    • Es wird eine weitere Fragerunde zur Verbesserung der Note angeboten. -> Unbedingt annehmen, ihr könnte nur gewinnen!

Weitere Infos aus erste Hand findet ihr hier:

Aus der Sicht eines internistischen Chefarztes – Interview mit Dr. Gerhard Muth

Welche Tipps kennt ihr? Wie bereitet ihr euch vor?

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start

Hallo liebe STEXler,

ich hoffe, ihr hattet ein erholsames Wochenende. Für diejenigen, die jetzt zeitnah ihren mündlichen Teil bestreiten werden, geht es ja beinahe ohne Unterbrechung weiter.

So auch bei mir. Mir wurde der 10. 11. als erster Prüfungstag zugeteilt und ich werde diese 3 Wochen nutzen, so gut ich kann.

Das muss ich auch, denn ich habe durch einen fantastischen Zufall (Vielen Dank!!) mein 4. Fach samt Prüfer erfahren: Es fängt mit „P“ an und hört mir „athologie“ auf. Ja, auch ich habe mich sehr darüber gefreut! Noch mehr begeistert mich aber der Prüfer. Nur so viel: Keine TNM-Klassifikation ohne ihn…

Noch einer Phase leichten Schocks stehe ich heute meinen Mann, trete dieser Herausforderung aufrecht entgegen und habe mit dem Wichtigsten begonnen: Einem Lernplan.

Dieser sieht vor, dass ich jeden Tag alle Fächer durchgehe, dabei immer das Patho-Buch (Riede-Schäfer) und die Patho-Vorlesungsschriften einer mitleidenden Kommilitonin an meiner Seite. Am Vormittag das Wahlfach (HNO), am Nachmittag Innere (mit dem Herold) und Chirurgie (im Müller). Zum Trainieren der Eloquens setze ich weiterhin auf eine Lerngruppe, für die ich 2-3 Nachmittage in der Woche vorsehe. Ich denke, wir werden uns im Vorfeld ganz gezielt auf Themen verständigen, die wir dann prüfungsnah besprechen. Der Wiederholung und Vertiefung der Untersuchungstechniken wird jeden Abend der Dahmer dienen.

Was bedeutet das für die STEXDOSE?

Nun, ich möchte diesem scheinbaren medizinischen Gegenwind mit höhere Trittfrequenz begegnen, versuche aber trotzdem, weiterhin wertvollen Inhalt für euch zu schaffen. Daneben würde ich mich mehr als freuen, wenn ihr eure Erfahrungen aus der Vorbereitung auf und aus der mündlichen Prüfung selbst mit den STEXDOSE-Lesern teilen würdet. Der Lerninhalt verschiebt sich, das Wesen der STEXDOSE jedoch bleibt gleich: Voneinander lernen und sich gegenseitig voranbringen.

Ihr alle seid also hier auf der STEXDOSE wie immer mehr als willkommen und ich freue mich auf die fortwährend intensive Zeit, die ich mit euch teilen darf.

Ach noch etwas: Falls jemand direkte Tipps für mein Fach, den Porsche-Fahrer oder mich hat – ich wäre wirklich dankbar!

Also ihr Lieben: Packen wir es an!

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Stethoscope

Liebe STEXler,

im Zuge unseres internistischen Untersuchungskurses vor mehr als drei Jahren hatten meine Seminaruntergruppe und ich das große Glück, Zeit mit Dr. Gerhard Muth verbringen zu dürfen. In den knapp zehn Stunden dieser einen Woche habe ich wahnsinnig viel über die Innere und den Umgang mit Menschen gelernt. Darum freue ich mich riesig, dass sich Dr. Muth, heute Chefarzt am DRK-Krankenhaus Sömmerda, die Zeit für das Interview der Woche auf STEXDOSE genommen hat und sende ein ganz herzliches „Dankeschön!“ in das schöne Thüringen.

STEXDOSE.de: Dr. Muth, vor Ihrer gegenwärtigen Tätigkeit als internistischer Chefarzt am DRK-Krankenhaus Sömmerda in Thüringen haben Sie am Herzzentrum Leipzig gearbeitet, danach waren Sie Oberarzt in Halle-Dölau. Worin sehen Sie, auch im Hinblick auf eine Assistenzarztausbildung, die Vor- und Nachteile eines kleineren Krankenhauses gegenüber einem großen?

Wenn Sie möglichst vielseitig ausgebildet werden möchten, dann sollten Sie eher ein kleines Krankenhaus suchen mit einem engagierten Chef, dem Ihre Ausbildung nicht egal ist. Oder Sie lassen sich davon begeistern, in einer besonderen Sache so richtig am Puls zu sein: Suchen Sie sich ein hochspezialisiertes Zentrum mit wissenschaftlichem Anspruch. Immer aber sind die Personen in der Leitung und die Kommunikationskultur einer Klinik entscheidend und wie gut Sie selbst in das Team hineinpassen. Meiden Sie Abteilungen, in denen Würdenträger, Bedenkenträger und Geheimnisträger dominieren. Von denen werden Sie wenig lernen.

STEXDOSE.de: Bei gemeinsamen Begegnungen fällt immer wieder Ihre gewinnend-freundliche und gelassene Art auf. Wie bewahren Sie sich diese im Stress des Klinikalltags?

Ich hoffe sehr, ich bewahre sie! Fragen Sie bitte meine Mitarbeiter. Ich versuche, nicht auf mein innerliches „Zornkonto einzuzahlen“, sondern lasse auch mal Dampf ab – wenn es geht. Sollte ich gelassen erscheinen, liegt es vielleicht daran, dass ich versuche, freundlich zu mir selbst zu sein.

STEXDOSE.de: Wie motivieren Sie sich?

Mich motiviert, wenn eine Sache gut gelungen ist. Ich motiviere mich selbst meist damit, dass ich den positiven Aspekt einer Sache zu finden suche.

STEXDOSE.de: Was konnten Sie sich während Ausbildung immer ganz schlecht merken und wie haben Sie es sich am Ende dann doch eingeprägt?

Gegenfrage: Welcher Fluss fließt durch Sömmerda? Ich weiß es, aber nur deshalb, weil ich jeden Tag drüber hinweg fahre. Es ist die Unstrut. Wie hab ich mir das merken können ? Ganz einfach: Ich fahr ja jeden Tag drüber (repetitio mater studiorum) und ich bin persönlich dabei (inter-esse). Lassen Sie sich beeindrucken von dem, was Sie gerade lernen, und stellen Sie einen emotionalen Zusammenhang her. Erzählen Sie irgendjemandem von den Dingen, die Sie lernen. Auch wenn Ihr Zuhörer kein Wort versteht, Sie selbst werden es noch ein bisschen besser gelernt haben. Probieren Sie es aus: Es funktioniert (docendo discimus).

STEXDOSE.de: Worauf sollten Ihrer Meinung nach Medizinstudenten in mündlichen Prüfungen achten?

Am Prüfungstag: Seien Sie ruhig ein bisschen selbstsicher! Sie haben gut gelernt, Sie haben die Prinzipien verstanden, Sie können auch mal Zusammenhänge herstellen, Sie haben Ihr Bestes gegeben – Sie werden nicht durchfallen. Die Note – okay, das ist eben die Tagesform. Aber Sie werden den Prüfern klarmachen können, dass Sie zu jedem Fall etwas wissen, wenn sie auch ein wenig an sich selber glauben.

STEXDOSE.de: Was würden sie einem jungen Mediziner im Jahr 2008 raten?

In welcher Hinsicht raten? Vielleicht so: Finde ein Thema in der Medizin, das dich begeistert, und setz dich voll ein. Du hast einen wunderbaren Beruf, genieße es. Wenn Arbeit dauerhaft keine Erfüllung bringt, soll man sie wechseln – das Leben ist kurz. Aber ist Ihnen das eigentlich schon aufgefallen: Die Medizin als Beruf erfüllt leicht die Malignitätskriterien – infiltriert das Privatleben und setzt Metastasen. Dem sollten Sie bewusst etwas entgegensetzen. Und es gibt noch so viel mehr zu entdecken. Lesen Sie regelmäßig gute Literatur, entdecken Sie Kunst, Natur, Sport, Freundschaft, vielleicht Spiritualität: Sie werden dem Menschsein und sich selbst näher sein.

STEXDOSE.de: Was ist in Ihren Augen die wichtigste Eigenschaft, um als Mensch und Arzt erfolgreich zu sein?

Was ist Erfolg? „Mein Haus, mein Auto, mein Boot“? Berufliche Position, fachliche Kompetenz, mitmenschliche Kompatibilität, menschliche Reife? Wer weiß, was er will, hat eine steilere Karriere als jemand ohne Ziele. Deshalb schadet es nicht, seine Träume wahrzunehmen und sich daran zu orientieren.

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Liebe STEXler,

heute keine großen Worte von meiner Seite. Nur dies: Ich bin mehr als glücklich, dass sich Herr Prof. Dr. Matthias Blüher für das Interview der Woche zur Verfügung gestellt hat und möchte ihm dafür von Herzen danken. Ich könnte mir keinen besseren Start in diese Interviewserie vorstellen.

STEXDOSE.de: Herr Prof. Blüher, Sie haben über zwei Jahre an der Harvard University geforscht und gearbeitet. In welchen Bereichen können wir als Studenten in Deutschland etwas von der amerikanischen Mentalität lernen?
Mir ist während meiner Zeit in den USA besonders aufgefallen, dass die Studenten ein viel höheres Maß an Eigenverantwortung für Ihr Studium und Ihre beruflichen Ziele an den Tag legen. Viele Studenten sind während der Semesterferien in wissenschaftliche Labore gegangen und haben dort gearbeitet. Typisch war auch, dass Stationsvisiten immer von Studenten (aus eigenem Verlangen) besucht wurden. Während in Deutschland die Mentalität des passiven Informationsgewinnes und von einer großen Erwartungshaltung gegenüber den Ausbildern geprägt ist, nimmt der amerikanische Student sein Schicksal viel mehr selbst in die Hand. Ein Vorteil in den USA ist sicher das günstige Verhältnis von 3-5 Studenten pro Tutor, was natürlich für beide Seiten das Lernen einfacher macht.

STEXDOSE.de: Sie haben einen Artikel in der Fachzeitschrift SCIENCE veröffentlicht – ein Traum für jeden Wissenschaftler. Wie haben Sie das geschafft?
Natürlich freut man sich als Wissenschaftler über sehr gute Publikationen, aber die sind leider nicht immer planbar. Sicher sind 70% des Erfolges Fleiß und Anstrengungsbereitschaft, aber auch 30% Glück. Viele bedeutende Entdeckungen sind zufällig gemacht worden, aber fast immer von Menschen, die sich in ein Thema und ein Forschungsziel verbissen haben. Im Falle der von Ihnen angesprochenen Science-Arbeit spielte der Zufall auch eine große Rolle. Wir bemerkten, dass speziell für meinen Mausstamm die Haltungskosten enorm hoch waren. Das war darauf zurückzuführen, dass diese Tiere ~20% länger lebten als normale Mäuse. Damit war der Grundstein – zufällig – für eine sehr wichtige Erkenntnis gelegt: Schlanksein und ein erhöhter Energieumsatz scheinen die Lebenserwartung zu verbessern.

STEXDOSE.de: Wie motivieren Sie sich?
Ich beziehe meine Motivation aus dem Bedarf an Erklärungen und Therapiekonzepten für Volkskrankheiten wie Typ 2 Diabetes und Adipositas, die im Kontakt mit Patienten und deren Leidensgeschichte besonders deutlich wird. Zusätzlich motivieren auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse und die erfolgreiche Therapie bei einzelnen Patienten. Es ist schön zu sehen, wie auch kleine Bausteine (wissenschaftliche Ergebisse) dazu beitragen können, das große Ganze der Problemstellung zu lösen. Ganz wichtig für die Motivation ist ein glückliches privates Umfeld, ohne das ein Wissenschaftlerleben mit zum Teil 16-Stunden Arbeitstagen und vielen arbeitsintensiven Wochenenden nicht möglich wäre.

STEXDOSE.de: Was konnten Sie sich während Ausbildung immer ganz schlecht merken und wie haben Sie es sich am Ende dann doch eingeprägt?
Besonders schlecht konnte ich mir Begriffe merken, die scheinbar in keinem Zusammenhang zu einem Mechanismus oder einer Funktion stehen. Da half für mich nur stures Auswendiglernen, in dem ich mir die Begriffe mit der entsprechenden Erklärung laut und häufig aufgesagt habe.

STEXDOSE.de: Sie haben selbst schon unzählige Studenten im mündlichen Staatsexamen geprüft. Was ist Ihnen dabei aufgefallen und worauf sollten Ihrer Meinungen nach Medizinstudenten in der mündlichen Prüfung achten?
Viele Prüfer aus klinischen Fächern fragen und denken sehr praxisorientiert. Dabei sollten die Studenten in ihrer Lernstrategie vor allem darauf achten Wesentliches von Unwesentlichem zu unterschieden. Häufige Erkrankungen werden häufig gefragt und sind in der Praxis wichtiger als Syndrome, die zum Teil die Prüfer selbst noch nie gesehen haben. Was mir auch auffällt ist, dass es Studenten noch teilweise sehr schwer fällt rationelle Strategien für Diagnostik und Therapie zu entwickeln. Das ist aber in der praktischen Berufsausübung entscheidend und kann am besten während Famulaturen oder Visiten gelernt werden.

STEXDOSE.de: Was würden sie einem jungen Mediziner im Jahr 2008 raten?
Der Arztberuf ist immer noch ein wunderschöner Beruf, der tägliche Herausforderungen aber auch Befriedung verspricht. Man sollte sich von der Überbürokratisierung des Arztberufes nicht abschrecken lassen. Das wichtigste am Anfang des Berufslebens ist die selbstkritische Beurteilung der eigenen Fähigkeiten. Lieber einmal zuviel fragen, als vorschnell zu handeln. Was in der Praxis neben dem guten Wissen und den praktischen Fähigkeiten von entscheidender Bedeutung ist: Viele Probleme lassen sich häufig ganz einfach mit gesundem Menschenverstand lösen und der Patient ist kein Befehlsempfänger sondern ein gleichberechtigter Partner, der ein Recht hat umfassend informiert und beraten zu werden.

STEXDOSE.de: Was ist in Ihren Augen die wichtigste Eigenschaft, um als Mensch und Arzt erfolgreich zu sein?
Was die wichtigste Eigenschaft für den Erfolg ist, weiß ich nicht. Ich bin aber überzeugt, dass Bescheidenheit, Selbstkritik, Offenheit und ein gesunder Menschenverstand sehr nützliche Eigenschaften sind, um als Mediziner erfolgreich zu werden.

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Leadership

Liebe STEXler – es ist soweit: das erste Interview auf STEXDOSE.de. Ich freue mich, dass sich eine gute Freundin die Zeit (neben dem Stress einer engagierten Assistenzärztin) genommen hat, um uns ihre Erfahrungen aus dem Hammerexamen im Frühjahr 2008 mitzuteilen!

STEXDOSE.de: Im Nachhinein würde ich heute mehr Zeit und Kraft investieren in…
…die Bearbeitung der Fallbücher (bes. Innere /Chirurgie) Das lohnt sich sicherlich nicht für jedes Fach, aber sie bringen nicht nur für die mündliche Prüfung enorm viele Informationen, die man sich sonst mühsam aus verschiedenen Büchern zusammensuchen muss.

STEXDOSE.de: Im Nachhinein würde ich heute weniger Zeit und Kraft investieren in…
…Das kann ich so jetzt gar nicht beantworten, da man ja für einige Fächer doch recht sparsam lernen muss wegen dem Zeitdruck! Wenn überhaupt kann ich in der Beziehung nur raten, dass man sich nicht zu sehr in die Materie vertiefen sollte, da man sich doch dann nur zu lange an Kleinigkeiten aufhält.

STEXDOSE.de: Wenn ich mal einen schlechten Tag hatte, dann…
…hat sich das meistens nicht nur auf einen Tag beschränkt. Das Beste war für mich in diesen Situationen: Einfach mal für zwei Tage das Buch zur Seite legen, den PC nicht anschalten und ins Grüne fahren!

STEXDOSE.de: So richtig doll geärgert habe ich mich…
…über Kommillitonen, die schon zwei Monate vor dem Examen rumgejammert haben, dass sie nichts wüssten, dann aber mit Studienwissen glänzten! Oder solche, die Unwissenheit vorgaben, dann Fragen stellten, und nachdem sie die Antwort bekommen haben, diese verbesserten.

STEXDOSE.de: Die lustigste Begebenheit, die ich erlebt habe:
Da gab es so viele! Aber lustige Situationen waren besonders solche, in denen man voller Verzweiflung über „eine“ dieser IMPP Fragen einen gestandenen Arzt der betroffenen Fachrichtung anrief, und dann statt Klärung der Frage nur ein „Häh? Was wollen die da wissen?…“ als Antwort bekam.

STEXDOSE.de: Wenn ich jetzt an die Lernzeit zurückdenke, dann vermisse ich am meisten…
…die Leichtigkeit des Lebens.

STEXDOSE.de: Einen letzten Satz an all die Stexler da draussen:
Mit ein bisschen Gelassenheit geht das ganze Examen um einiges leichter von der Hand. Und wenn’s doch nicht gereicht hat: Es gibt immer noch ein zweites Mal! Und wen interessiert es am Ende? Die Welt geht davon nicht unter! Im Übrigen sind die Hammerexamina der letzen Jahre eh super gut ausgefallen, also: Alles halb so schlimm.

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