von Matthias am 15. Januar 2009

The Mechanic Eye

Herzlich Willkommen zum dritten und damit letzen Teil der Serie: „Der Weg zum Gipfel – Wie lerne ich für das Hammerexamen?“

Nach Zieldefinition und Lernstrategie soll dieser Post jene Komponente der Vorbereitung beleuchten, von der wirklich Alles abhängt. Es ist:

Der Augenblick

Ziel der folgenden Zeilen ist es, euch zu befähigen, jede intensive Lernzeit und besonders die des Hammerexamens optimal zu nutzen, ohne dabei ständig zwischen Ablenkung, Trägheit und Arbeitswut hin und her zu pendeln. Dabei stütze ich mich auf Erkenntnisse und Erfahrungen, die ich sammeln durfte und von denen ich hoffe, dass sie auch euch weiterbringen.

Erkenntnisse

Laut dem renommierten Hirnforscher Ernst Pöppel erleben Erwachsene Zeit in wachem und gesundem Zustand unbewusst in Drei-Sekunden-Fragmenten. Diese werden „semantisch verknüpft“, was dann kontinuierliche Zeit entstehen lässt, die uns unglaublich langsam oder rasend schnell vorkommen kann.
Nach ca. drei Sekunden zerfallen demnach unsere sogenannten Wahrnehmungsgestalten, ein Augenblick endet, ein neuer beginnt. Interessanterweise entspricht das auch dem durchschnittlichen Abstand zwischen zwei Lidschlägen bei einem gesunden Erwachsenen: Dem wörtlichen Augenblick.

Wir leben somit unbewusst in Fragmenten, die verknüpft werden und sich der gegenwärtig optimalen Signalverarbeitung im Gehirn anzupassen scheinen. Sind wir müde, blinzeln wir beispielsweise öfter. Wie ein extrem kurzer Neustart unseres Systems.

Drei Sekunden, nach denen unser Gehirn beinahe automatisch nachfragt, nach Neuem sucht, sich im Prinzip also selber ablenkt. Je aktiver unser Gehirn, desto stärker dieser Impuls. Tatsächlich kommt der Begriff des zerstreuten Professors nicht von ungefähr.

Die Erkenntnis dieser drei Sekunden erklärte für mich vieles.
In ihnen liegen das ganze Geheimnis und gleichzeitig größter Fluch und größter Segen: Dieser kurze Systemneustart nämlich erlaubt es uns, immer wieder zu beginnen. Wir haben tatsächlich die Wahl. Wir können uns immer wieder entscheiden, für oder gegen den Augenblick und damit für oder gegen unser Ziel. Egal, wie schlecht es LIEF, wie genervt wir oder wie mies die Umstände sind.
Tun wir das nicht, bekommen wir es erst mit, wenn vom x-ten Durchkauen der GOLD-Schweregradeinteilung  der COPD nicht viel hängen geblieben scheint und wir uns maßlos darüber ärgern.

Es steht und fällt also mit unserer Motivation, der Motivation bewusster Aufmerksamkeit als ein ständiges Ausrichten, ein ständiges Entscheiden für den neuen Moment. Immer wieder.
Im „Gegenzug“ erhalten wir Zugang zu einer schier unerschöpflichen Kraft, der Kraft des Augenblicks.

Ganz toll, Prof. Matthias. Und wobei hilft mir das?

Erfahrungen

Beherrsche deinen Geist, oder er wird dich beherrschen. (Horaz)

Der Clou an der Sache ist: Wir können diese bewusste Aufmerksamkeit trainieren wie einen Muskel, einen Muskel, der Zeit quasi aufhebt und uns völlig im Hier und Jetzt aufblühen lässt. Seine Kontraktion ist unsere Entscheidung für den Augenblick und gegen Ablenkung und Trägheit. Sie ist unsere Wahl, neu zu beginnen.
Darum möchte ich Jeden, der konzentrierter, produktiver und gleichzeitig gelassener arbeiten möchte, herzlich einladen diesen Muskel zu trainieren. Und auch wenn das irgendwie seltsam und ungewöhnlich daherkommt, bin ich von dem positiven Effekt dieses Trainings auf individueller, gemeinschaftlicher und sogar globaler Ebene fest überzeugt.

Wow! Wie trainiere ich diesen Muskel?

Als Trainingspartner dienen sämtlich repetitive „Aktivitäten“, willkürliche wie unwillkürliche.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es überaus sinnvoll sein kann mit kleinen Dingen zu beginnen. Der optimale Trainingspartner für den Anfang ist: Der Atem.

Die Atmung ist die einzige Körperfunktion, die wir teilweise willkürlich beeinflussen können, obgleich sie völlig automatisch immer wieder abläuft (erstaunlicherweise beträgt die Dauer eines Atemzugs in Ruhe ca. drei Sekunden).
Den eigenen Atem sanft zu spüren, zu beobachten, ohne absichtlich zu atmen oder irgendetwas zu forcieren, stärkt den Muskel, der uns die Kraft des Augenblicks eröffnet. Das für einige Minuten frühmorgens als eine Art Routine geübt, kann einen immensen Einfluss darauf haben, wie der ganze Tag läuft. Dabei geht es nicht um die Atmung. Es geht darum sich immer wieder neu für die bewusste Wahrnehmung des Atems zu entscheiden. Der Atem ist lediglich das Gewicht, mit dem wir bewusste Aufmerksamkeit trainieren.

Mit der Zeit wird unser Muskel so stark, dass auch andere Aktivitäten zu Trainingspartnern werden: Jogging, Lesen, Fahrrad fahren, Essen, Zuhören. Und dann geht es einem auf:
Es gibt nichts, was diesen Muskel nicht trainiert, ein wenig Disziplin vorausgesetzt: Lernen, Kreuzen, Sitzen, Gehen, Trommeln, … .

Und es gibt nichts, worauf dieser Muskel nicht positiv wirkt.

Darum mein Rat aus tiefstem Herzen: Trainiert ihn für acht Wochen und schaut, was passiert.
Höchstwahrscheinlich stärkt ihr euer Durchhaltevermögen, eure Auffassungsgabe und eure Disziplin und verweist Ablenkung, Trägheit und Arbeitswut auf die hinteren Ränge.

Als Wegzehrung gibt es nun noch 5 „Wenn-Dann-Strategien“, die mir täglich helfen produkiv zu sein. Diese in Kombination mit einem wachsenden Muskel der Entscheidung für den Moment, klar auf ein Ziel ausgerichtet und auf einer klugen Strategie ruhend, sind alles, was eine erfolgreiche Lernzeit braucht.

1. Wenn ihr anfangen möchtet mit lernen, dann …

– … lest euer Examensziel und schreibt die wichtigsten Tagesziele aus eurer Lernstrategie heraus auf einen Zettel.
– … legt alle nötigen Bücher bereit und startet die Programme auf dem Rechner.
– … stellt Tee und Studentenfutter (oder was auch immer) auf den Tisch.
– … schaltet Handy, Messenger und Email auf stumm und stellt euch einen Timer für die erste Lernphase.
– … legt los.

2. Wenn es nicht richtig voran geht, dann …

… fokussiert die allernächste physische Aktion, die euch weiterbringt und macht diese.

3. Wenn wirklich gar nichts mehr funktioniert, dann …

… macht eine Pause, steht auf, macht Stretching-Übungen oder seid so konsequent und nehm euch ganz frei. Ein Tag ist ok.

4. Wenn es stressig wird, dann …

… konzentriert euch auf die eine Aufgabe, die vor euch liegt und macht diese bewusst extrem langsam.

5. Wenn der Lerntag und die Lernwoche vorbei sind, dann …

… hakt auf dem Zettel ab, was ihr geschafft ab und freut euch darüber. Ihr habt gut gearbeitet! Am Ende der Lernwoche liefert euer Zettel mit den gesammelten Tageszielen den Beweis.

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 von Matthias am 6. September 2008

Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

C-3PO

Hallo, Hallo,

wie bereits angesprochen bin ich der festen Überzeugung, dass ich mich (ebenso wie andere auch) viel zu sehr von meinem Verstand ausbremsen lasse. Dabei sollte mich der Gedanke doch eigentlich tragen, wie es sprichwörtlich heißt. Was tun?

Ich würde nun so gern das schnelle Patentrezept anbieten, euch den Weg zur mentalen Balance offenbaren und damit als großer Weiser die Geschichte prägen. Nur leider gibt es keine schnellen Lösungen, es sei denn man ist lediglich auf den kurzfristigen Gewinn aus.

Was ich aber besteuern kann, ist ein Stück Musik, mit einem Text, der, einer Systole gleich, aus mir heraussprudelte und meinen Stand auf dem Weg zur mentalen Balance widerspiegelt. Möglicherweise finden sich Gemeinsamkeiten und ihr ein Stück mehr Gelassenheit in der Vorbereitung auf euer Staatsexamen.

Viel Spaß mit dem zweiten Song auf STEXDOSE.de: „C-3PO“ – für einen klaren Kopf beim Examen!

Anmerkung: C-3PO ist der ängstlich-vorsichtige Roboter aus den Star-Wars-Filmen.

Download: „C-3PO“ (T/M: MR/JR)

Ein Syndrom, noch ein Test, noch ein Sturz, der verletzt,
mit dem Bild einer Hand, ich hab’s schon wieder verkannt.
Dann noch der Punkt mit dem trockenen Mund,
damit war’s das für heut‘, hat mich wirklich erfreut.

Kurzer Blick – Statistik, So la-la, denk ich da.
Besser könnt’s doch mal werd’n, ruft ’ne Stimme mit Lärm.
Streng dich mal an! Ist doch kein Ponyhof, Mann!
Ach, zum See soll es geh’n? Na, das werd’n wir ja seh’n.

Sonne und Wind und ein schreiendes Kind.
Bin schon bedient. Hab ich das denn verdient?
Gut, nicht ganz konzentriert Wikipedia studiert,
doch das muss auch mal sein, sonst krieg ich es nicht rein.

Ich hab’s dir gesagt, doch du wolltest nicht hör’n.
Stattdessen trinkst du jetzt hier alkoholfreies Bier.
Zurück zum GK? Mensch, was willst du denn da?
Du musst dich entspann’n, vierzehn Wochen sind lang.

So geht’s mir seit Tagen, will das nicht mehr ertragen.
Schluss mit dem Mist, hat mich genug gedisst.
Doch wie kriege ich nur diese Stimme aus’m Kopf?
Die zieht Energie und zwar deutschlich zu viel.

Ich hab’s! Ich geb ihr ’nen Namen – C-3PO – und
immer wenn sie kommt, ruf ich freundlich: Hallo!
Nett, dass du vorbeischaust, doch ich hab keine Zeit.
Behalt deinen Rat doch für später bereit.

Seitdem: Kein Problem. Sie kommt, und sie geht.
Ich krieg mit, was es gibt, und kehr zum Lernen zurück.
Geht es euch wie’s mir ging, ist das wirklich kein Ding,
denn das Männchen im Kopp, macht doch nur seinen Job.

Download: „C-3PO“ (T/M: MR/JR)

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 von Matthias am 24. August 2008

Dieses Video mächte ich all jenen ans Herz legen, die das Lernen geniessen oder einfach die Minuten neben der Medizin für sich und zum Auftanken nutzen möchten.

Nähere Informationen zu Prof. Kabat-Zinn findet ihr hier.

Anmerkung: Dieses Video dauert gute 70 Minuten. Da aber jede Minute ihre Zeit mehr als wert ist, schaut es euch vielleicht besser Abends oder am Wochenende an.

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 von Matthias am 10. August 2008

Bracelet in Sunlight

Hi Leute,

mein Resumée der vergangenen Tage: es fällt mir schwer, mich richtig auf die GK-Fragen zu konzentrieren. Ich bin nicht sicher, warum. In jedem Fall haben mir die Ortho-Fragen mehr zugesetzt, als ich gedacht hätte. Darum der Aufruf an Alle: Schreibt mir, wie ihr es schafft, euch jeden Tag so gut es geht zu konzentrieren. Den besten Tipps gebührt Ruhm und Ehre!

 von Matthias am 9. August 2008

Power in your hand

Woche 5/14 geht dem Ende entgegen. „Höchschste“ Zeit, meinen Tagesablauf mal ein wenig genauer unter die Lupe zu nehmen. Es hat sich ein Rhythmus eingestellt, der mir nicht selten richtig Spass macht. Ich liebe die Freiheit, selbst zu bestimmen, wann ich was mache.

Falls du mit deinem Lerntag zufrieden bist, wirf einen Blick in die anderen Beiträge hier auf STEXDOSE. Falls nicht, lies weiter!

Mein Tag beginnt regulär gegen 6.00 Uhr. Ich versuche dann so oft es geht, einen kurzen Morgenlauf zu machen. Ich liebe diese Stille, die Lichter der aufgehenden Sonne und natürlich die kühle, unverbrauchte Luft eines Sommermorgens.

„Vogel fliegt, Fisch schwimmt, Mensch läuft.“ (Emil Zátopek)

Dann eine kalte Dusche, die auch den gemeinen Studenten erweckt und ein schönes Frühstück. Darauf folgt, was ich gerade mache, nämlich Arbeit an der STEXDOSE.

Wenn ich das hier fertig geschrieben habe, mache ich eine halbe Stunde lang nichts. Nun, vielleicht nicht ganz Nichts, aber so wenig wie möglich. Ein Hinlegen in ruhiger Wachsamkeit und Beobachten von Körper und Geist. Man könnte es Meditation nennen. Ich nenne es einfach: Sein. Ein Einstimmen. Wie das Leipziger Gewandhausorchester, dass seine Instrumente stimmt, bevor es Beethovens Sechste spielt. Falls jemand Interesse daran hat, findet hier meine erste Berührung mit Meditation.

Gegen 9.00 Uhr beginne ich nun mit den ersten zwei Lernphasen („Sessions“) von je 100 Minuten mit einer 20-minütigen Pause dazwischen. Diese Zeiteinteilung hat sich bisher echt bewährt, denn:

  • Ich konzentriere mich voll, weil ich genau weiß, dass ich nicht ewig Zeit habe.
  • Die Aussicht auf eine Pause macht es mir leichter, meine Aufmerksamkeit auf diese 100 Minuten zu richten. Wie bei einem Wettkampf, bei dem man weiß, wann die Verpflegungspunkte kommen.
  • Mehr als 100 Minuten lernen am Stück ist für mich einfach nicht drin. Jedenfalls jetzt noch nicht.
  • Ich lerne in einem festen Rhythmus, so dass sich mein Körper daran gewöhnen kann.
  • Ich bin relativ sicher gegen 13.00 Uhr mit den zwei Sessions fertig und damit bereit für die Mittagspause.

Ich nehme mir Zeit bis 15.00 Uhr. Essen, raus gehen (und evtl. irgend etwas erledigen) und 20 Minuten ein kleines Nickerchen. Dieses „Powernapping“ reicht aus, um wieder frisch zu sein, ist aber zu kurz, um danach nicht mehr in die Gänge zu kommen.

Der Nachmittag ist dann ein Spiegelbild meines Vormittags, also wieder zwei Sessions mit Pause dazwischen. Bei einem kleinen Snack höre ich sehr gern zwischen 16.30 und 17.00 Uhr den Deutschlandfunk, weil in dieser Zeit sehr interessante Berichte aus dem Bereich der Wissenschaft gesendet werden. Für mich eine willkommene Abwechslung zur Medizin und erstaunlich motivierend. Nach der letzten Session gegen 19.00 Uhr bin ich meistens richtig erschöpft und muss raus aus meinem Zimmer. Ich gehe laufen oder ins Fitness oder fahre an einen See. Einfach nur raus.

Am Abend nehme ich mir noch einmal eine Stunde Zeit, um Sachen zu wiederholen oder an der STEXDOSE zu arbeiten. Ich versuche aber, den Laptop spätestens 21.30 Uhr auszuschalten, am liebsten schon gegen 21.00 Uhr. Das schaffe ich aber nicht immer.

So, das ist er, mein Lerntag für das Hammerexamen 2008.

Welche Erfahrungen habt ihr mit eurer Zeiteinteilung gemacht?

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Bewertung: 4.3/5 (6 Stimmen)
 von Matthias am 5. August 2008

Hallo Leute,

hier ein tolles Video von Prof. Manfred Spitzer zu „Entscheidungen aus dem Bauch“ bei BRalpha:

Essenz: Bei komplexen Entscheidungen nicht nachdenken, bei einfachen Entscheidungen dagegen ist Nachdenken hilfreich. Wer also wie ich nicht mit einem goldenen Kreuzhändchen gesegnet ist, sollte sich das mal anschauen. Dauert auch nur knapp 15 Minuten. Vielleicht hilft es ja beim Kreuzen weiter. Den wissenschaftlichen Hintergrund könnt ihr bei Bedarf überspringen, indem ihr einfach ab Minute 10 einsteigt. Da kommt das Wichtigste.

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