von Matthias am 3. Dezember 2008

without words

Mal ehrlich, was weiß der gemeine Medizinstudent am Ende seines PJ’s schon vom Hammerexamen? Nicht wirklich viel. Und das, was er weiß, konzentriert sich auf Themengebiete, Fakten, Lern- und Zeitpläne und einen Ozean strukturarmer Schauergeschichten.
Das ist gut nachvollziehbar, denn es grenzt schon irgendwie an selbstzerstörerisches Verhalten, sich diese scheinbar freudlose, stressbeladene und sinnlos-stupide anmutende Zeit nach ihrem Abschluss immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, um weitergeben zu können, dass dieser Schein trügt.

Denn es lohnt sich, auch einmal die wirklich tollen Sachen, die man durchs Lernen lernt, in das Licht des Bewusstseins zu rücken, die Dinge, die fernab des Mainstream und trotz ihres unbeachteten Daseins wirklich zählen und immerwährend von Bedeutung sind. Dann nämlich tauschen die Schauergeschichten ihren Schauer gegen eine Zuversicht, dass man im Projekt „Staatsexamen“ bei aller Anstrengung und mieser Momente viel mehr gewinnt, als man zunächst denken sollte.

Na, neugierig geworden?

Dann will ich dich nicht länger auf die Folter spannen und dir anvertrauen, was mir vorher keiner über’s Examen verraten hat und wie diese Dinge mein Leben veränderten:

Es gibt gute und schlechte Tage.
Ich habe etliche Wochen gebraucht, um allein das zu begreifen. Ebenso lang benötigte noch einmal die Erkenntnis, dass es klüger ist, sie zu nehmen, wie sie sind, anstatt krampfhaft gegen sie anzukämpfen und oder an ihnen zu haften wie an einer schönen Erinnerung. Was ich erfahren durfte, war, dass man die Täler besser lieben lernt, wenn man die Gipfel genießen möchte. Einfach ist das nicht, eher die härteste Sache der Welt, denn wer gibt schon gern freiwillig Kontrolle ab? Bist du jedoch bereit, täglich und ehrlich daran zu arbeiten die natürlichen Wellen des Lebens anzunehmen, wie sie kommen, wirst du erstaunt sein, wie unsagbar befreiend das sein kann. Und offen gesagt glaube ich mittlerweile, dass ich die Kontrolle, die ich dadurch zu verlieren fürchtete, niemals wirklich besaß.

Wenn du denkst, denke weise.
Jeder Gedanke ist Energie, produziert eine Emotion und somit entspringen alle Emotionen in mir meinem Kopf. Alle. Verzagtheit, Unrast, Freude, Glück, Entspannung, Stress. Alle. Das war eine der bittersten, gleichsam aber auch eine der heilsamsten Pillen, die ich jemals schlucken musste, bedeutet es doch, dass ich Nichts und Niemanden ausser mich selbst für meinen inneren Zustand verantwortlich machen kann. Auf der anderen Seite verleiht dieses Wissen aber auch Einfluss auf das, was vorher von außen induziert zu sein schien und damit die Fähigkeit, es willentlich beeinflussen zu können. Das klappt nicht von Anfang an und sicher auch nicht immer, doch mir ist es wertvoll genug, es mir immer wieder ins Gedächtnis zu rufen und es zu üben, Tag für Tag. Somit war diese Erkenntnis vermutlich eines der größten Geschenke dieses Sommers.

Du musst nicht klug sein, sei einfach nur beharrlich.
Noch mal: Du musst nicht klug sein, sei einfach nur beharrlich. Setze diese Beharrlichkeit auf ein ehrliches Bemühen, gib einen guten Schuss Vertrauen hinzu und du erhältst drei wesentliche Säulen jeden nachhaltigen Erfolges. So einfach ist das. Bemühen – Beharrlichkeit – Vertrauen.

Nur ein klares Ziel, ist ein gutes Ziel.
Denn nur ein klares Ziel ist ein erreichbares Ziel. Je klarer desto besser. Im Nachhinein betrachtet fehlte und fehlt es meist nicht an Zeit (siehe unten), sondern an Klarheit. In multiplen, unpräzisen Zielen gepaart mit strengem Perfektionismus lag vermutlich das Grundübel meiner rezidivierenden Frustration während der Lernzeit, vermutlich aber auch während des gesamten Studiums: Ein bisschen Musik hier, ein paar Nachtdienste da, noch ein paar Volksläufe dort und ach ja, studieren willst du ja auch noch. Und überall sollte es perfekt sein. Ich habe schmerzhaft lernen müssen, dass in der Vielseitigkeit Segen und Fluch eine Wohngemeinschaft bilden. Heute weiß ich, dass die Fähigkeit, sich sinnhaft, klar und präzise auszurichten und zu erreichen, worauf diese Ausrichtung weist, die Essenz eines erfüllten Lebens bildet, eine natürliche Quelle unversiegbarer Energie. Und die liegt auch im Ziel „Staatsexamen.“

Immer nur eine einzige Aufgabe.
Mir war schon vor einiger Zeit zu Ohren gekommen, dass man die Multi-Tasking-Geschichte getrost in die Tonne werfen kann (Ok, dann behalt sie meinetwegen noch für erheiternde Frauen-Männer-Debatten bei einem guten Wein.). Jedoch erst, als ich bewusst begann, mich immer nur auf die eine Aufgabe, die gerade vor mir lag, mit Leidenschaft und Freude einzulassen, ihr meine volle Aufmerksamkeit zu schenken und mich 100%ig auf sie zu konzentrieren, betrat ich das, was allgemein als der „Flow“ bezeichnet wird, ein Zustand scheinbar schwere-, zeit- und mühelosen Arbeitens, der Stress in pure Intensität verwandeln kann. Der Runner’s High des Arbeitens und Lernens. Nicht, dass ich ihn jetzt spielend erreiche, doch ich weiß nun, dass der Schlüssel stets und ausschließlich im gegenwärtigen Moment liegt, in dem Wort, was ich jetzt gerade schreibe, in den Zeilen, die du jetzt gerade liest. Dort lag er und liegt er immer. Und dort wird er immer liegen.

Kleine Schritte machen.
Eigentlich ist es so logisch, trotzdem haben wir es scheinbar wieder vergessen; ich zumindest: So wie wir einst laufen lernten, sollten wir auch arbeiten und lernen, zumindest zu Beginn – langsam und mit kleinen Schritten. Dazu gehört eine ordentliche Portion Disziplin, ich weiß: Nichts fällt Schlagzeugern schwerer, als unzählige Male einen kurzen, ganz bestimmten Handsatz im Schneckentempo zu üben oder einem Golfer, der einen Schlag immer und immer wieder ausführt. Dem Gedanken, man könnte das alles schon, folgt ein schier unwiderstehlicher Reiz, Komplexität, Tempo und Intensität zu erhöhen. Widersteht man aber diesem Reiz nur ein klein wenig länger, als man in der Lage zu sein glaubt, so werden aus meiner Erfahrung die Schritte ganz automatisch länger und schneller, ohne dabei an Qualität zu verlieren. Große, stabile Schritte folgen immer nur auf kleinen zu Beginn.

Qualität braucht Zeit.
Ich weiß schon: Wir haben alles, nur keine Zeit. Geht mir genauso. Oder besser: ging. Nein, eigentlich stehe ich irgendwo in der Mitte zwischen „geht“ und „ging“. Sicher, das klingt jetzt provokativ, doch aus meiner Sicht ist das „Keine-Zeit-haben“ ubiquitärer Irrtum und Symptom einer Mangelmentalität zugleich: Wie sollten wir denn etwas „haben“, was gar nicht wirklich existiert? Wir können Zeit nicht „haben“ oder „besitzen“ wie ein Fahrrad oder einen iPod, wir können sie uns nur nehmen und sie nutzen. Für die Dinge, die uns wichtig sind. Ob Staatsexamen, Studium, Freunde, Musik, Blog, Jogging – will ich nachhaltig Qualität, muss ich mir Zeit nehmen. Anders geht es nun mal nicht.

Was man täglich macht, darin wird man gut.
Es spielt keine Rolle, was das ist: Wenn ich mich Tag jeden ärgere, werde ich besser im Ärgern. Wenn ich jeden Tag operiere, werde ich besser im Operieren. Wenn ich jeden Tag lerne, werde ich besser im Lernen. Egal wofür du dich entschieden hast, mach es täglich. Auch wenn du mal keine Lust hast, mach es trotzdem. Denke nicht viel darüber nach, versuch es nicht, mach es. Du wirst nicht besser, indem du es planst oder organisierst, sondern nur, indem du es tust. Und zwar täglich.

Die Mischung macht’s.
Für einen Gesundheitsfreak wie mich war das auf der Ebene Körper-Geist nichts Neues. Neu aber war ihr Wert, den ich während dieses Schreibtischsommers erst richtig zu schätzen lernte. Der Mensch ist keine Maschine, er braucht seinen Ausgleich. Dein Lernerfolg wird unweigerlich in die Höhe schnellen, wenn du neben deinem Verstand auch deinem Körper und deinem Geist die Aufmerksamkeit schenkst, die sie verdienen. Wie genau das aussieht, kannst nur du selbst für dich herausfinden. Doch herausfinden solltest du es. Besser jetzt als später.

Mehr können, als man glaubt.
Nimm die Tage, wie sie sind, denke weise, bemühe dich beharrlich, vertraue deinem Weg, setze klare Ziele, arbeite an einer einzigen Aufgabe mit Leidenschaft, geh kleine Schritte, täglich, halte Kopf, Körper und Geist in gesunder Balance und du wirst staunen, wozu du fähig bist: Bei weitem mehr, als du jemals zu glauben wagtest.

So, nun weißt du es.

Und auch wenn ich es unerwähnt ließ, weißt du natürlich, dass Fehler in Ordnung, Hindernisse normal und Augenblicke einmalig sind. Darum lass dich nicht von Schauergeschichten über ein hartes, aber definitiv machbares und fantastisch bereicherndes Examen entmutigen, sondern freu dich auf die Reise, die du antreten darfst.

Sie ist es wert!

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 von Matthias am 11. November 2008

The Rock

Liebes Logbuch,

heute war ein guter Tag. Nicht nur, dass ich ihn überhaupt erleben durfte. Vielmehr weiß ich endlich, wer ich bin und wo mein Platz ist in dieser Welt.

Doch bleiben wir systematisch:

  1. 8.30 Uhr – „Ihr Patient atmet nicht mehr, was machen Sie?“ Endziel dieser Frage bei einem tumorösen Prozess im Hypophayrynx war die Tracheotomie. Check.
  2. 9.20 Uhr – „Ihr Patient hat starke Bauchschmerzen, was könnte das denn sein?“ Nach schlichtem Abarbeiten aller möglichen DD’s fokussierte der orthopädische Geist die Appendizitis, über die ich dann referieren durfte. Check.
  3. 10.45 Uhr – „Womit befasst sich der Pathologe in der Frühphase des Lebens?“ Hm, Abort? „Richtig, doch womit genau?“ Hm, … Kurz und gut, hier brachen die Wellen der Pathologie über mir zusammen, da ich bei Hauptfach HNO ehrlich gesagt nicht mit der humangenetischen Pathologie des Throphoblasten gerechnet habe. Kein Check.
  4. 11.20 Uhr – „Was ist denn die Hypertonie, die hypertone Krise und der Myokardinfarkt?“ Viele Worte und ein zufriedenes Prüfergesicht später fiel ab, was ich als Anspannung bezeichnen würde. Check.
  5. 12.10 Uhr – Wir möchten die Noten verkünden.

Ich bin durchschnittlich. Das haben sie gesagt und gaben mir eine 3.

Erst einmal war ich enttäuscht, weil ich doch immer dachte, dass jeder Mensch und somit auch ich per se etwas Besonderes sei.

Mit einigen Stunden Abstand aber erkenne ich nun klar die beste Nachricht meines Lebens: Wenn ich durchschnittlich bin, dann muss ich mir um die Welt, wie sie ist und wie sein sollte, nie wieder Sorgen machen. Dann ist sie ganz ok, so wie sie ist.

Diese Überzeugung wird wahrscheinlich nicht allzu lange gastieren und ich werde wieder Dinge sehen, die nicht richtig sind und die ich so absolut nicht hinnehmen kann, möchte ich weiterhin gut schlafen. Doch für den heutigen Abend, nach grob überschlagenen 108 Lerntagen, dient sie der positiven Sichtweise auf das Ende der Lernzeit für mein Staatsexamen.

Und nichts auf dieser Welt, von einer abgebrochenen 8 ganz zu schweigen, kann mir diese Sicht vermiesen.

Es grüßt herzlich ein frisch gebackener Mediziner!

Matthias

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 von Matthias am 10. November 2008

Tehran Sunset

Liebes Logbuch,

zweiter Tag – Check.

So lief meine Patientenvorstellung:

  1. 9.00 Uhr – Shake Hands: Nette Begrüßung und kurzer Ausblick auf die kommenden 3 Stunden. Dann geht es auf Station.
  2. 10.30 Uhr – den letzten beißen die Hunde: Es ist nicht leicht, 90 Minuten zu warten und die angenhemen Themen schwinden zu sehen. Als ich dann endlich loslegen dufte, lief es ganz gut, nur konnte ich in der Aufregung  auf ein, zwei wirklich glasklare Dinge nicht adäquat antworten. Die Pathologie hielt sich geheimnisvoll und ihr Fragen für die anschließende Fragerunde zurück.
  3. 10.40 Uhr – praktische Prüfung im Konferenzraum: Fragen rund um unsere Patienten, mal mehr mal weniger angenehm. Kreativste Frage des Tages: „Wenn Sie den Menschen designen würden, welches Epithel würden sie denn da nehmen?“
  4. 12.00 Uhr – Wieder Schlusslicht: Ich schätze, die haben gewußt, dass ich so gern warte und mir diese Freude bewusst ein zweites Mal gemacht. HNO: Audiometrie meiner Patientin und weiteres therapeutisches Vorgehen. Innere: Begleiterkrankungen. Chirurgie: CPR (u.a.: Wann intubieren Sie? Richtige Antwort: Wenn ich es kann…). Patho: Auf unerklärliche Weise von der Pathologie der diabetischen Folgeerkrankungen hin zu NASH, ASH und CASH (Wie, kennt ihr nicht??). Irgendwie lustig…
  5. 12.25 Uhr – Abpfiff zur Halbzeitpause.

Schlecht lief es nicht, aber so richtig gut nun auch wieder nicht. Ich ärgere mich ein wenig über die sinnlos verschenkten Punkte, auf die man in der Prüfung einfach nicht zu kommen scheint. Gefühlslage: Indifferent.

Nun sitze ich also wieder hier und möchte einzig, dass es bald vorbei ist. Eigentlich ist das doch wirklich schade, denn so einen Spaß erlebt man nur einmal im Leben. Ein einziges Mal die Stadionrunde und ein einziges Mal der Zieleinlauf (Vielen Dank, lieber Martin, für diesen wunderbar aufmunternden Kommentar!).

Darum rappele ich mich noch einmal auf, gehe erneut einige Notizen durch und hoffe, dass ich morgen noch ein paar Meter gutmachen kann.

Und ich stimme mich darauf ein, anzukommen.

Denn bei allem Schmerz und allem Nörgeln ist und bleibt dies doch … ein Privileg.

Bis morgen!

Matthias

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 von Matthias am 7. November 2008

Port-51

Liebes Logbuch,

erster Tag: Check.

So lief meine heutige Patientenuntersuchung:

  1. 9.00 Uhr: weißes Blatt Papier und los.
  2. 9.30 Uhr: ein überschaubares HNO-Krankheitsbild und einige Nebendiagnosen, zu denen ich am Montag gern Fragen entgegennehme.
  3. 10.00 Uhr: Nach kurzer Wartezeit auf ein freies Untersuchungszimmer folgte der HNO-Status. Hier habe ich wirklich geschwitzt, da vor allem Naso- und Hypopharynx mit Larynx  relativ schwierig einzustellen waren. Doch der Fokus meines Interesses – das Ohr – erstrahlte in voller Pracht!
  4. 11.00 Uhr: 5 Blätter in 60 Minuten. Ich kam mir wie im Deutschunterricht, nur mit höherem Adrenalinspiegel.
  5. 12.05 Uhr: Abgabe. Wow, wie schnell 3 Stunden vorüber sein können…

Kurzum: angenehmes Krankheitsbild, freundliche Nebendiagnosen, Prüfungsablauf strikt nach Protokoll, keine Akte.

Wochenendagenda: Backen zusammenkneifen, Haupt- und Nebendiagnosen bis auf Rezeptorenebene und Vorbereitung einer flüssigen Patientenvorstellung.

Jetzt gehe ich Energien abbauen.

Bis morgen!

Matthias

P.S.: Vielen Dank an alle fürs Daumendrücken!

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Niedziela w parku

Ich schreibe diese Zeilen emotionserschöpft und um mindestens 56 Jahre gealtert nach einem kurzen Nickerchen, dass problemlos bis morgen Mittag hätte ausgebaut werden können.

Es ist durchstanden. Mehr wahrscheinlich aber auch nicht. Ich hatte Großes erhofft, jetzt erwarte ich stattdessen eine große Zahl. Und so richtig Spaß gemacht hat es auch nicht. Heute fast am wenigsten. Aber das ist nur meine Wahrnehmung, darum schauen wir es uns doch einmal gemeinsam an:

  1. 9.40 Uhr: Es geht ganz gut los. Trotz Erschöpfung und einer Motivation, die gegen Null strebt, laufen die ersten Fragen ganz gut. Ein wenig Innere hier, ein bißchen Gyn da, nicht einfach, aber doch irgendwie machbar.
  2. 10.50 Uhr: Wieder Stolpersteine. Arbeits-, Rechts- und Sozialmedizin lassen heute keinen Flow aufkommen und ich wackele dem Ende der ersten Hälfte entgegen. So lala. Doch da fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Mensch, zieh durch! Noch 60 Fragen und dann hast du es geschafft!
  3. 11.20 Uhr: Hochmotiviert und dann die Depression. Ich komme also zurück zu meinem Platz, voller Elan und Energie für die Fälle und da lacht sie mich an: Die 5-seitige Anamnesegeschichte einer Frau mit Depression. In Worten: F-Ü-N-F! Gut, denke ich, dann sind die Fragen sicher kurz. Doch auch hier täusche ich mich. Dieser Fall kostet mich mehr Kraft, als die 47 Fragen zuvor. Erneut ein riesiges „DANKESCHÖN“ nach Mainz ans IMPP!
  4. 12.30 Uhr: Myokarditis und mehr. Die war machbar und ich hoffe, ich konnte ein paar Punkte sammeln. Danach ein Polytrauma und als Abschluß noch das Osteosarkom. Zugegeben, irgendetwas hätte mir gefehlt ohne ein paar Histo-Bilder. Aber vermisst? Nein.
  5. 13.30 Uhr: „Sie haben noch 30 Minuten, um ihre Fragen zu beantworten.“ Die letzten 30 Minuten. Ich halte es wie die Tage zuvor, checke meine Striche, gehe noch einmal über einige Fragen, jedoch ohne etwas zu korrigieren und versuche in den letzten Minuten diese einzigartige Athmosphäre aufzusaugen.

Sollte es das wirklich gewesen sein? Scheinbar schon. Ich habe zwar überhaupt keine Vorstellung über meine Punkte, aber ich hoffe einfach mal, dass es gereicht hat. In ca. 2 Stunden werde ich es wissen. Dann habe ich durchgezählt. Wenn ich ehrlich bin, lasse ich durchzählen. Meine Punkte sind mir vielleicht nicht ganz so wichtig, wie manch anderem, aber ganz egal sind sie mir nun auch wieder nicht…

Wie geht es euch?

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Straight to the point!!!

Die Finger funktionieren heute wieder ganz gut, aber mein Denken gleicht eher einem Blues als feuernden Latino-Rhythmen. Und ich habe schon wieder den vierten Fall vergessen, was mir zeigt, dass ich Häufigkeiten >3 nicht mehr verarbeiten mag. Schlecht für die Prüfung, gut für euch, denn so „muss“ ich wieder aufschreiben, wie der Tag so lief, um es nicht gänzlich ans Vakuum des Vergessens zu verlieren.

  1. 9.20 Uhr: Im Flow. Eigentlich ging es ganz gut los. Ich will nicht unbedingt sagen, dass es Spaß gemacht hätte, aber irgendwo darunter und weiter vom Elend entfernt als gestern auf jeden Fall. Mit Ruhe, Konzentration und einer Prise Gelassenheit (um nicht zu sagen Gleichgültigkeit) ging es Schlag um Schlag durch die Einzelfragen. Themen: Neuro, Auge, HNO und einiges, was ich auch wieder vergessen habe …
  2. 11.30 Uhr: Flow gestoppt. Genauso unerklärlich, wie er kam, verließ er mich auch wieder, der Flow. Ich will den Fallfragen nicht die ganze Verantwortung dafür aufladen, aber doch so 95% davon. Pauls Mutti mit dem mir unbekannten Herpes gestationis, die Dame mit der Tbc, irgendetwas an 2. oder 3. Stelle und dann war es endlich so weit.
  3. 12.45 Uhr: Meine Stunde. Endlich konnte ich mich beweisen, meine Klasse zeigen und einfach nur mit meinem profunden Wissen zum Pleuramesotheliom glänzen. Endlich, 15 Fragen zu meinen Lernschwerpunkten Arbeitsmedizin und Toxikologie. Mein Glück wäre vollkommen gewesen, mit ein oder zwei Abstechern in die Psyche eines Asbest-Arbeiters oder die Tiefen der Sozialmedizin. Aber so habe ich wenigstens noch etwas, worauf ich mich am morgigen Tag freuen kann. Danke, liebes IMPP, für diese Achterbahnfahrt der Gefühle!
  4. 13.30 Uhr: „Sie haben noch 30 Minuten Zeit, die Fragen zu beantworten.“ Gleicher Ablauf wie gestern, aber weniger Korrektur und nur ein Übertragunsfehler.
  5. 14.05 Uhr: Abpfiff. Im Großen und Ganzen würde ich sagen: Anders als gestern, nicht überragend, aber doch eine Spur besser. Mal schauen, ob sich das auch in den Punkten widerspiegeln wird.

So, ich habe das jetzt durchgerechnet: Ungefähr 2/3 müßten wir haben. Wahrscheinlich noch nicht mit den Punkten, aber das kann ja noch werden.

A propos: Ich schreibe nichts zu meinen Punkten, weil ich meinem Gefäßsystem den Stress ersparen und morgen am Stück zählen möchte. Daneben bin ich nicht sicher, ob oder was ich gewinnen würde, wenn ich meine Zwischenstände wüßte. Darum lasse ich es lieber sein und halte es wie ein Pfeil, der sein Ziel anvisiert und den Flug genießt.

Bis morgen euch allen weiterhin viel Erfolg und Kraft für den dritten und letzten Tag!

Vergesst euren Fotoapparat nicht, denn noch einmal erleben wir das nicht!

Was sagt ihr zu Tag zwei?

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Masarwa man - http://natavillage.org

Auch wenn sich meine Augen gegen den Bildschirm sträuben und meine Finger mehr schlecht als recht über die Tastatur s-t-o-l-p-e-rn, möchte ich es doch nicht verpassen, meine Eindrücke vom ersten Tag des Medizin Staatsexamens im Herbst 2008 festzuhalten.

Stolpern, ja das passt auch sehr gut zum heutigen Tag, den ich ungefähr so beschreiben würde:

  1. 9.30 Uhr: Schlecht aus dem Startblock. Die ersten Meter fühlten sich eher an wie „Laufen lernen“ als „Olympia rennen“. Dazu ein Blutdruck, der die Kriterien einer Hypertensiven Krise erfüllte und Fragen, die einfach nur komisch waren. In einem Wort: Großartig!
  2. 10.40 Uhr: Besser drin nach 30 Fragen. Besser im Sinne von „nicht mehr so schlecht“, aber wir beachten die Fortschritte und halten uns nicht mit dem Jammern auf.
  3. 11.30 Uhr: 47 Fragen – vielen Dank. Ich war mehr als froh, als ich die Einzelfragen endlich hinter mir hatte. Mittlerweile herrschten in der Halle 4.2 gefühlte 45° Celsius und ein Sauerstoffanteil, der mich an das Kapitel „Erstickungsgase“ erinnerte. Und dann noch die sensible Prüfungsaufsicht, die mich vor der Tür darüber informierte, dass eine aufstrebende Medizinerin bereits ihren ausgefüllten Antwortbogen abgeben und sich verabschiedet hätte. Na, besten Dank auch!
  4. 12.30 Uhr: 2 Fälle und ein Ende in Sicht. 3 von 4 Fällen weiß ich noch: Bechterew, akuter Blinddarm, HELLP-Syndrom und noch irgendetwas. In jedem Fall habe ich besser hinein gefunden, aber was davon richtig ist, …
  5. 13.30 Uhr: „Sie haben noch 30 Minuten zur Bearbeitung der Fragen. Bitte nicht erschrecken.“ Diese 30 Minuten habe ich zur Kontrolle meiner Übertragungen und einem erneuten Durchsehen der ersten 30 Fragen genutzt. Dort hatten sich viele Fragezeichen zu einem Kollektiv versammelt und ich habe, entgegen meiner Gewohnheit, noch ca. 5 Fragen korrigiert, teilweise weil ich die falsch angekreuzt habe, teilweise weil ich meine erste Wahl einfach überhaupt nicht mehr nachvollziehen konnte. Siehe oben, stolpern halt.

Ok, der Grundstein ist gelegt. Wackelig, aber das muss ja nichts bedeuten.

Für morgen erwarte ich Fächer wie Neuro, Auge, HNO und meine Lieblinge Arbeitsmedizin, Hand in Hand mit der Psychologie. Ich werde es einfach dem IMPP gleichtun und mir einen Beißkeil zwischen die Zähne stecken, wenn es zu sehr weh tut. Das macht man ja heute so, habe ich gelesen…

Ach, noch etwas: Fragt mich bitte nicht, woher ich das habe, aber ich habe gehört, dass alle, die einfach so gut weiter arbeiten, wie bisher, ihr Ziel erreichen werden. Aber, hey, von mir habt ihr das nicht!

So denn, auf zur zweiten Runde!

P. S. Wie lief es bei euch?

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 von Matthias am 5. Oktober 2008

anti botox brigade

Ich lehne mich wieder einmal weit aus dem Fenster: Nie mehr in meinem Leben werde ich schreiben können, wie ich die Welt eine Woche vor meinem Hammerexamen erlebt habe.

Die letzten Wochen haben mich in einer unglaublichen Geschwindigkeit mitgerissen und ich möchte diesen kleinen Post nutzen um einen Einblick zu gewähren in meine Erfahrungen, eine Woche vor meinem Staatsexamen:

  1. Die Bearbeitung der Hammerexamina strengt an, mehr als ich dachte. Aus meiner Sicht liegt das zu einem großen Teil an den stellenweise umfangreichen und „schwammigen“ Fragestellungen und Fallstudientexten, zum anderen auch an der Bearbeitung selbst, die wirklich Kraft kostet. Wenn ich gegen 13.30 Uhr mit einem Examenstag fertig bin, bin ich fertig. Im wahrsten Sinne des Wortes. Ich nutze dann die Nachmittage um die Fragen durchzugehen und mir zu Unklarheiten wieder Audios aufzunehmen. Danach folgt die Wiederholung meiner Lernnotizen bis hinein in den Abend.
  2. Jedes Examen bringt Neues, Dinge, von denen ich vorher noch nie etwas gehört habe. Ist es überhaupt möglich, die Medizin komplett zu erfassen? Eher unwahrscheinlich, Unbekanntes gibt es immer. Ich gehe dem so offen wie möglich entgegen und finde so fast immer eine Antwort, mit der ich leben kann.
  3. Den aktuellen Lernablauf an sich kann ich weiterempfehlen: Die Prüfung wird realitätsnah nachempfunden und ich werde in 1 Woche schlicht ein weiteres Examen und nicht dieses übergroße Etwas kreuzen. Das hoffe ich zumindest. Ich mag diesen Trainingseffekt ähnlich einem Intervalltraining vor einem Lauf, das Spitzenleistungen festigen kann.

Ich stehe also vor der letzen Woche meiner Examensvorbereitung und auch meinem Interesse für Dreizeiler mit 5 Antwortmöglichkeiten geht ein wenig die Puste, aber ganz ehrlich:

Was bitte ist denn 1 Woche, bei 6 Jahren Medizinstudium?

Ich wünsche darum euch allen Kraft und Durchhaltevermögen für die letzten Tage. Bleibt dran – das Ende ist in Sicht!

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 von Matthias am 27. September 2008

Meine Eindrücke und die nackten Zahlen nach 3 Tagen prüfungsnaher Bearbeitung des Hammerexamens 10/2006 lauten:

  • Die normalen Fragen fand ich ganz ok, vielleicht ein wenig praxisnäher als jene nach der alten Ordnung.
  • Aus meiner Sicht kamen nicht mehr so viele Fragen mit zweifelhafter klinischer Relevanz dran.
  • Die Fälle habe ich nicht als zu schwer empfunden. Es wird stellenweise sehr detailliert gefragt, wodurch bei mir noch Defizite deutlich wurden, was man auch gut an den Prozenten nachvollziehen kann.
  • Genervt haben mich diese langen Vorgeschichten bei den Fällen. Die verlangen Disziplin. Dafür hatte ich aber das Gefühl, das die Beantwortung der Fragen an sich dann schneller ging, vermutlich da die eigentlichen Fragentexte erheblich kürzer sind.
  • Im Großen und Ganzen: Ok.

Und hier nun die Prozente.

Eine Anmerkung: Grüne Kurve = Richtigkeit „normale“ Fragen, blaue Kurve = Richtigkeit Fallfragen. Zum Vergrößern wieder draufklicken.

(Gekreuzt habe ich tageweise und Vormittags von ca. 9.00 bis 13.30 Uhr mit kurzen Pausen nach jeweils 25 Fragen.)

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 von Matthias am 2. September 2008

Red Light...

Hallo ihr Lieben,

zwei Dinge sind mit heute aufgefallen:

  1. Der Sommer geht seinem Ende entgegen. Traurig aber wahr.
  2. Wir stehen sechs Wochen vor unserem großen Event. (Echt, nur noch sechs?!)

Ich möchte darum diesen kleinen Post nutzen, um einen Etappeneindruck festzuhalten.

Ich stehe in meinem Lernplan in den letzten zwei Wochen vor der Wiederholungsphase und wenn ich mir die Aufzeichnungen so durchsehe, beschleicht mich ein mulmiges Gefühl. Es hat sich doch eine ganz schöne Menge angesammelt, die es zu durchblicken gilt. Ich bin noch nicht ganz sicher, wie ich genau wiederholen werde. Die sechs jüngsten Examina, meine Aufzeichnungen und die GK-CD in sinnvoller Balance zu halten sehe ich als die Herausforderung der letzten Wochen.

Daneben habe ich die Beobachtung gemacht, dass ich nur in wenigen Wochen meine Zielsetzung von 1000 Fragen pro sieben Tage wirklich errreicht habe. Meistens waren es eher so um die 700-800. Ob mir das Sorgen bereitet? Und ob! Am Anfang habe ich versucht, dagegen anzugehen, musste aber feststellen, dass ich damit keinen Schritt nach vorn mache, sondern mir im Gegenteil wertvolle Kraft und Entspannung für das Lernen fehlte. Mit der Zeit habe ich dieser Etwicklung immer weniger Widerstand entegegen gesetzt und bemerkt, dass das besser funktioniert. Ich sehe das sportlich: Auf der Zielgeraden wird das Rennen entschieden. Vorher schon wochenlang im sauren Bereich zu laufen,  kann böse enden. Aber glaubt mir, auch mir fällt es unglaublich schwer, die gesetzten Ziele schwinden zu sehen. Es fühlt sich an wie das Nicht-Einhalten eines Versprechens. Mittlerweile habe ich die Erwartungen den Erfahrungen angepasst und es steht für mich nicht mehr allein die bloße Zahl, sondern der Lerneffekt am Ende einer Woche an erster Stelle. Das Gleichgewicht zwischen diesen beiden Faktoren treffe aber auch ich nicht immer.

Apropos Wochen: Die haben einen sehr interessanten, eigenen „Flow“ entwickelt. Bei mir sieht der folgendermaßen aus:

  • Magic-Monday: Voller Kraft und Motivation in die neue Woche.
  • Depri-Dienstag: Weniger Fragen und schlechte Prozente verdrängen die guten Ergebnisse des Montages (ohne zu lernen, wohlgemerkt!).
  • Mellow-Mittwoch: Ich arbeite mich langsam und mühsam aus dem Dienstags-Tief heraus.
  • Durchhalt-Donnerstag: Immer wieder kleine Fehler. Nicht aufgeben, immer weiter machen.
  • Frohsinn-Freitag: Bessere Resultate machen Mut.
  • Sammel-Samstag: Die losen Enden der Woche mit Wiederholung der falschen Fragen und Spaß in der Lerngruppe zusammenfügen.
  • Super-Sonntag: Geschafft!

Ich könnte noch Stunden weiter schreiben, glaubt mir. Aber auf mich wartet die Gyn.

Wie wäre es also, wenn ihr erzählt, wie es euch ergeht? Was habt ihr in den vergangenen Wochen für Erfahrungen gesammelt?

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