von Matthias am 10. November 2008

Tehran Sunset

Liebes Logbuch,

zweiter Tag – Check.

So lief meine Patientenvorstellung:

  1. 9.00 Uhr – Shake Hands: Nette Begrüßung und kurzer Ausblick auf die kommenden 3 Stunden. Dann geht es auf Station.
  2. 10.30 Uhr – den letzten beißen die Hunde: Es ist nicht leicht, 90 Minuten zu warten und die angenhemen Themen schwinden zu sehen. Als ich dann endlich loslegen dufte, lief es ganz gut, nur konnte ich in der Aufregung  auf ein, zwei wirklich glasklare Dinge nicht adäquat antworten. Die Pathologie hielt sich geheimnisvoll und ihr Fragen für die anschließende Fragerunde zurück.
  3. 10.40 Uhr – praktische Prüfung im Konferenzraum: Fragen rund um unsere Patienten, mal mehr mal weniger angenehm. Kreativste Frage des Tages: „Wenn Sie den Menschen designen würden, welches Epithel würden sie denn da nehmen?“
  4. 12.00 Uhr – Wieder Schlusslicht: Ich schätze, die haben gewußt, dass ich so gern warte und mir diese Freude bewusst ein zweites Mal gemacht. HNO: Audiometrie meiner Patientin und weiteres therapeutisches Vorgehen. Innere: Begleiterkrankungen. Chirurgie: CPR (u.a.: Wann intubieren Sie? Richtige Antwort: Wenn ich es kann…). Patho: Auf unerklärliche Weise von der Pathologie der diabetischen Folgeerkrankungen hin zu NASH, ASH und CASH (Wie, kennt ihr nicht??). Irgendwie lustig…
  5. 12.25 Uhr – Abpfiff zur Halbzeitpause.

Schlecht lief es nicht, aber so richtig gut nun auch wieder nicht. Ich ärgere mich ein wenig über die sinnlos verschenkten Punkte, auf die man in der Prüfung einfach nicht zu kommen scheint. Gefühlslage: Indifferent.

Nun sitze ich also wieder hier und möchte einzig, dass es bald vorbei ist. Eigentlich ist das doch wirklich schade, denn so einen Spaß erlebt man nur einmal im Leben. Ein einziges Mal die Stadionrunde und ein einziges Mal der Zieleinlauf (Vielen Dank, lieber Martin, für diesen wunderbar aufmunternden Kommentar!).

Darum rappele ich mich noch einmal auf, gehe erneut einige Notizen durch und hoffe, dass ich morgen noch ein paar Meter gutmachen kann.

Und ich stimme mich darauf ein, anzukommen.

Denn bei allem Schmerz und allem Nörgeln ist und bleibt dies doch … ein Privileg.

Bis morgen!

Matthias

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 von Matthias am 9. November 2008

1337

Liebes Logbuch,

„Ich weiß, dass ich nichts weiß.“ Das könnte das Motto des heutigen Abends sein. Mittlerweile schwirrt ja doch der ein oder andere Fakt ping-pong-ähnlich zwischen meinen zwei Hirnzellen hin und her. Nur habe ich das Gefühl, dass mein Thalamus das Netz höher geschraubt hat.

Ich kann mir gut vorstellen, dass das nicht nur mir so geht und bleibe der Zuversicht treu, dass morgen wie aus dem Nichts alles wieder da sein wird. Durchfallen werde ich schon nicht. Und die Note, tja das ist eben die Tagesform.

Und bei weitem nicht nur meine…

Bis morgen allen einen wunderbaren Start in die Woche!

Matthias

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 von Matthias am 7. November 2008

Port-51

Liebes Logbuch,

erster Tag: Check.

So lief meine heutige Patientenuntersuchung:

  1. 9.00 Uhr: weißes Blatt Papier und los.
  2. 9.30 Uhr: ein überschaubares HNO-Krankheitsbild und einige Nebendiagnosen, zu denen ich am Montag gern Fragen entgegennehme.
  3. 10.00 Uhr: Nach kurzer Wartezeit auf ein freies Untersuchungszimmer folgte der HNO-Status. Hier habe ich wirklich geschwitzt, da vor allem Naso- und Hypopharynx mit Larynx  relativ schwierig einzustellen waren. Doch der Fokus meines Interesses – das Ohr – erstrahlte in voller Pracht!
  4. 11.00 Uhr: 5 Blätter in 60 Minuten. Ich kam mir wie im Deutschunterricht, nur mit höherem Adrenalinspiegel.
  5. 12.05 Uhr: Abgabe. Wow, wie schnell 3 Stunden vorüber sein können…

Kurzum: angenehmes Krankheitsbild, freundliche Nebendiagnosen, Prüfungsablauf strikt nach Protokoll, keine Akte.

Wochenendagenda: Backen zusammenkneifen, Haupt- und Nebendiagnosen bis auf Rezeptorenebene und Vorbereitung einer flüssigen Patientenvorstellung.

Jetzt gehe ich Energien abbauen.

Bis morgen!

Matthias

P.S.: Vielen Dank an alle fürs Daumendrücken!

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 von Matthias am 6. November 2008

friday

Liebes Logbuch,

heran ist der Abend vor meiner mündlichen Prüfung.

Nach einem kurzen Lauf an wunderbar frischer Luft bin ich eigentlich ziemlich entspannt. So viel wird ja morgen auch noch nicht passieren (hoffentlich!!): Patienten befragen, untersuchen, Epikrise schreiben – fertig. Allein der zeitliche Aspekt kreist durch meinen Geist. Mal schauen.

Heut stand noch die allgemeine Tumor- und Entzündungspathologie auf dem Plan, nur ein wenig detaillierter als vor zwei Jahren. Ich habe das Gefühl, man bekommt langsam einen Blick für die wesentlichen Dinge in der Masse an Informationen. Im Grunde alles im grünen Bereich. Alles.

Ich bereite jetzt noch meine Sachen für den morgigen Tag vor und verabschiede ich mich dann von diesem Donnerstag.

Wir hören uns.

Matthias

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 von Matthias am 5. November 2008

6 in six seconds

Liebes Logbuch,

Tage wie heute, die vergißt man nicht.

Angefangen hat alles damit, dass ich mich, anstatt zu lernen, 2 Stunden in den unzähligen Artikeln, Videos und Kommentaren über eine Wahl, wie es bisher kaum eine zweite gab, verloren habe. Nach einigen Minuten sinnlosen Ärgers darüber, dass ich meiner menschlichen Neugierde nach medizinfernem Input einen Moment nachgegeben habe, folgten die

  • Orthopädie der Wirbelsäulenerkrankungen, die
  • Ulkuskrankheit sowie
  • viele zweifelhaft sinnbehaftete Patho-Fakten

19. 45 Uhr, der Abend ist noch jung und ich bin es auch. Im Grunde die besten Voraussetzungen um noch zwei Stündchen durch die Bücher zu blättern.

Also dann bis morgen.

Matthias

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 von Matthias am 5. November 2008

Slacker notebook

Liebes Logbuch,

noch 2 volle Tage, dann stehe ich in schwarzer Hose und gestärktem Kittel auf einer HNO-Station und dem Weg zu einem Patienten. Nein, nicht zu irgendeinem, sondern zu meinem Patienten.

2 Tage, in denen ich der Wirbelsäulen-Orthopädie und den unzähligen noch unbearbeiteten Pathologie-Fakten fröhnen darf. Da meine Prüfungsgruppe ihre Patienten am Freitag kennen lernen wird, bleibt uns noch das ganze Wochenende, was mir nicht gänzlich unrecht ist.

Ich zähle also rückwärts. Rückwärts in einem Prozess, der am 7. Juli 2008 um 9.15 Uhr begann und voraussichtlich am 11. November gegen 13.00 Uhr enden wird. Dass er enden wird, davon bin ich überzeugt. Nur wie?

Das logische Denken erscheint mir ausgekreuzt, die klinische Grundsicherheit im Ozean der Syndrome versunken und menschliche Kompetenzen atrophiert.

Noch 2 Tage bis zum vierten Akt. Und noch 7 bis zum vorerst letzten Akkord.

Ob der wohl sitzen wird?

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September 11, 2006  New York City, NY

Lieber STEXler und Jung-Ärzte,

es tut mir leid, dass ich mich dieser Tage so rar machen muss, aber leider konnte ich nicht alle Erkrankungen des HNO-Bereiches während meines PJ bis ins Detail ergründen. So ein oder zwei Seiten muss ich halt noch durchgehen.

Hier die Themen der vergangenen Tage:

  • Asthma und COPD
  • Pneumonie
  • Bronchitis
  • KHK und akuter Herztod
  • Extrasystolen und Vorhofflimmern
  • Otitis media
  • Sinusitis
  • Felsenbeinfraktur
  • Frakturen Gesicht und Nase
  • Fazialisparese

Mir fehlt das Schreiben und der Austausch mit euch da draußen sehr. Ich hoffe, es geht euch gut und diejenigen, die noch müssen, schlagen sich weiterhin wacker.

Für alle, die es bereits hinter sich haben, würde ich gern 2 Dinge loswerden:

  1. Meinen herzlichsten Glückwunsch zum erfolgreichen Abschluss von 6 Jahren Höchstleistung! Und auch wenn kein Schwein juckt, was ich denke: Ich bin stolz auf euch!
  2. Ich möchte euch einladen, dass ihr euch ein paar Augenblicke Zeit nehmt um eure noch frischen Erfahrungen rund um das Staatsexamen festzuhalten.

Warum schreibt ihr nicht auf, was euch aufgefallen ist, wie ihr gelernt habt, was ihr jetzt anders machen würdet, wie ihr die schriftliche und mündliche Prüfung erlebt habt – kurz, was ihr gern an folgende Stex-Generationen weitergeben möchtet, und schickt mir eine Email?

Ich würde mich wirklich riesig freuen, wenn wir gemeinsam die Schätze unserer Erlebnisse für die Nachwelt dokumentieren und auf der STEXDOSE veröffentlichen würden. Natürlich anonym und ohne irgendwelche Verpflichtungen.

Ich habe vor einigen Tagen ein Sprichwort gelesen, das lautete ungefähr so:

„Erfahrung, das ist die Laterne im Rücken. Sie beleuchtet immer nur den Teil des Weges, den man bereits hinter sich hat.“

Ihr habt diesen schweren Weg nun hinter euch gebracht, doch euer Licht kann für jene leuchten, die ihn schon bald beschreiten werden.

Was haltet ihr davon? Schreibt ihr mir?

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 von Matthias am 27. Oktober 2008

Golden hillside in Wisconsin

Liebe STEXler,

dieser Post soll einen kurzen Einblick in meine derzeitige Lernsituation gewähren. Falls ihr Lust habt, die eure mit den Lesern und mir zu teilen, fühlt euch frei. Ihr seid mehr als willkommen.

Was lerne ich?

Mein Rezept zur erfolgreichen mündlichen Prüfung sieht eine ausgewogene Mischung aus Prüfungsprotokollinhalten und häufigen Krankheitsbildern vor. Die Zutaten des heutigen Tages:

  • Myokardinfarkt
  • Herzinsuffizienz
  • Lungenembolie
  • Cor Pulmonale und Pulmonale Hypertonie

Wie lerne ich?

Jedem Krankheitsbild, ganz egal wie oft es bereits auf der Speisekarte stand, widme ich noch einmal meine volle Aufmerksamkeit. Dabei kommt stets ein 8-Gänge-Menü auf den Schreibtisch, bestehend aus:

  • Def.
  • Epi
  • Ä
  • Patho (intensivier als sonst …)
  • Klinik
  • Dia
  • The
  • Prog

Da auch das Auge mitisst, mache ich mir noch einmal, aber wirklich ganz kurze, im wahrsten Sinne des Wortes stichwortartige Lernkarten, die dann am Abend wiederholend überflogen werden. Daneben stelle ich mich hin oder laufe im Zimmer herum, die Zutaten laut vor mir hersprechend, um das freie Reden zu üben. Auf die Lernkarten notiere ich auch eigene Fragen, die abends nach einer Antwort verlangen.

Womit lerne ich?

  • Innere: Herold
  • Chirurgie: Müller
  • HNO: Checkliste und Boenninghaus
  • Pathologie: Riede, Werner, Schaefer
  • Wikipedia

Wie läuft das so?

Ich bin ganz zufrieden. Im Grunde macht es richtig Freude, sich wieder einmal am Stück und intensiver mit einem Krankheitsbild zu befassen. Klinikferne Infos lasse ich links liegen, so dass wirklich das reine Handwerkszeug Beachtung findet. Nicht selten habe ich das Gefühl, den Kreis zu schließen und Dinge zu verstehen, die ich vorher entweder überlesen oder mir lediglich krampfhaft eingeprügelt habe. Auch freue ich mich, wenn ich mal einen alten IMPP-Freund wiedersehe, meisten weder dick markiert noch unterstrichen, sondern eher im Kleingedruckten, wie der schüchterne Junge in der Ecke des Klassenzimmers. Die Bücher, die ich bisher immer als überzogen vollgepackt etickettiert habe, erleben ihre Renaissance und wir gemeinsam unseren zweiten, bzw. eigentlich ersten richtigen Frühling.

Wo liegt der Haken?

Ganz ehrlich, so richtig finde ich heute keinen. Ok, ich bin halt nicht mehr so fit. Die schriftliche Prüfung hat meinem Energiehaushalt definitv ganz schön zugesetzt. Darum schlafe ich viel und versuche, die restliche Zeit wieder viel mehr zu genießen. Ein großer Brocken war das, der da von mir abfiel. Und wie immer nach einem erreichten Ziel fällt man in ein Loch, aus dem man sich halt langsam ans Licht zurückkämpft. Dann wankt man ein paar Tage so durch die Welt und irgendwann ist es so, als wäre nichts gewesen, die Strapazen des Sommers verblassen und kehren dorthin zurück, wo sie hergekommen sind. Irgendwie seltsam, oder?

Ok, so sieht bei mir aus, am 27. 10. 2008. Wie ist es bei euch?

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Making The Change

Liebe STEXler,

vor ziemlich genau einem Jahr hatte ich das große Glück, in der herzchirurgischen Abteilung am Sunnybrook Health Science Center im kanadischen Toronto einige Wochen meines PJs verbringen zu dürfen. Die wundervollen Einblicke in die Arbeits- und auch Lebensweisen der Ärzte und Mitarbeiter dort haben mich definitiv geprägt und ich denke noch heute sehr gern und oft an diese Zeit zurück.

Am meisten begeisterte mich die offen-zugewandte Art des Miteinanders zwischen quasi allen, die in diesem großen Haus arbeiteten. Hierarchische Denkmuster habe ich, wenn überhaupt, dann nur als blinden Passagier bei mir selbst beobachtet.

Ich kann darum kaum in Worte fassen, wie sehr ich mich darüber freue, dass sich Dr. Michael Borger als kanadischer Arzt in Deutschland für dieses weitere „Interview der Woche“ zur Verfügung gestellt hat und möchte mich auf diesem Wege ganz herzlich bei ihm bedanken. Ein Stück Kanada hier auf STEXDOSE – ich bin überglücklich!

STEXDOSE.de: Dr. Borger, Sie sind seit mehr als zwei Jahren als Herzchirurg im renommierten Herzzentrum Leipzig tätig. Zuvor haben Sie mehrere Jahre in Kanada am Toronto General Hospital gearbeitet. In welchen Bereichen können wir Studenten in Deutschland etwas von der kanadischen Mentalität lernen?

Die deutschen Studenten müssen mehr involviert werden, denn ich merke zu oft, dass die Studenten relativ passiv und ruhig sind. Das „Bedside Teaching“ ist nicht so strukturiert wie in Kanada. Aber wenn man etwa lernen will, muss man aktiv am Lernprozess teilnehmen.

STEXDOSE.de: Welches sind die größten Schwierigkeiten, die Ihnen in ihrer Tätigkeit als Arzt im Ausland begegneten und begegnen?

Deutsch zu lernen. Und ich vermisse Ice-Hockey.

STEXDOSE.de: Wie motivieren Sie sich?

Meine Frau motiviert mich.

STEXDOSE.de: Was konnten Sie sich während Ihrer Ausbildung immer ganz schlecht merken und wie haben Sie es sich am Ende dann doch eingeprägt?

Die Namen der Hirnnerven. Schließlich habe ich eine Eselsbrücke gelernt, die ich leider mittlerweile vergessen habe.

STEXDOSE.de: Worauf sollten ihrer Meinung nach Medizinstudenten in mündlichen Prüfungen achten?

Man soll eine Flasche Wasser mitbringen, sodass der Mund nicht so trocken wird. Und Kaugummi raus!

STEXDOSE.de: Was würden sie einem jungen Mediziner hinsichtlich seiner Karriere im Jahr 2008 raten?

Lesen, lesen, lesen, aber nicht nur Fachliteratur.

STEXDOSE.de: Was ist in Ihren Augen die wichtigste Eigenschaft, um als Mensch und Arzt erfolgreich zu sein?

Man muss ein Fach finden, das man wirklich genießt. Aber es klingt einfacher als es wirklich ist. Ich habe meine Meinung mehrmals geändert, bevor ich die Herzchirurgie entdeckt habe.

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