von Matthias am 20. Dezember 2008

Cartagena de Indias

Die folgenden Zeilen stellen eine Dokumentation von Gedanken dar, zugegeben stellenweise ein wenig verstrickt. Dies liegt daran, dass das Thema „Medizinstudium“ in meinen Augen eben verstrickt ist und ich Niemandem vorschreiben möchte, was er oder sie zu denken hat. Mit anderen Worten: Ich habe es nicht besser hinbekommen. Falls ich etwas absolut unklar beschreibe, nutzt bitte die Kommentarfunktion und schreibt mir, auch weil ich mich über eure Sichtweisen wirklich mehr als freuen würde.

Seit gestern ist es offiziell: Wir, die Absolventen des Jahrganges 2008, gehen nun frei durch diese Welt – keine Universität, keine Studienordnung, kein Semesterplan mehr. Die Uni (unsere „nährende Mutter“, wie wir sie in Leipzig liebevoll nennen) schubst uns aus dem Nest. Wir fliegen. Ob es gen Süden geht, weiß ich nicht. In jedem Fall wird es nun Zeit, die Flügel auszubreiten und … loszufliegen.

Nicht nur für mich verging diese Zeit wie ein Herzschlag, diese sechs Jahre. Und wenn ich an die Reden der gestrigen Feierlichkeit zurückdenke, umgibt die Frage nach dem Sinn meiner Studienwahl der berühmte Raum für Spekulationen. Ich bin nicht sicher, ob meine Entscheidung wirklich auf einem aufrichtigen Erforschen meiner Talente und Fähigkeiten beruhte, war ich doch mehr als stolz, im schönen Leipzig studieren zu dürfen. Damals bin ich einige Tage vor offiziellem Beginn hierher gekommen um mir einen groben geografischen Überblick zu verschaffen. Ich sehe noch sehr deutlich die Schranke vor mir, welche die Liebigstraße gegenüber dem heutigen operativen Zentrum zweiteilte. Vorbei an alter Biochemie, HNO-Klinik, Anatomie, Bettenhaus und Carl-Ludwig-Institut stieg eine Aufregung ob der vor mir liegenden Jahre in mir auf. Ich hatte wirklich keine Ahnung, was da auf mich wartete. Keines der genannten Gebäude hat mich in seiner damaligen Form überlebt.

Heute sitze ich hier und versuche der verschwommenen Unwirklichkeit der vergangenen Wochen mit klärendem Überblick zu begegnen.
Ich bin jetzt Arzt. Tiefes Ein- und Ausatmen. Wenn ab heute Unfallstellen meine Wege kreuzen, werde ich anhalten und mein Wissen und meine Fähigkeiten einsetzen, so gut ich kann. Die Armen. Mit der Zeit jedoch, daran glaube ich fest, wird das schon irgendwie werden. Man denkt, man wüsste Nichts, oder zumindest nicht sehr viel und der Fall der Fälle könnte schon noch ein bisschen auf sich warten lassen. Der Haken daran ist erstens, dass er diese Rücksicht nicht aufbringen wird und zweitens, dass wir nun mal nur besser werden, in dem wir Dinge machen, sei es „nur“ im Geiste oder in der „echten“ Realität. Und Fehler werden auftreten, ich gebe mich da keinen Illusionen hin. Schön wäre es aber, wenn mir diese Fehler wenigstens ehrlich als solche aufgezeigt würden, damit ich aus ihnen lernen kann. Das Schlimmste wäre aus meiner Sicht, wenn man, der allumfassenden Mentalität des Mangels zum Dank, eben diese wertvolle Rückkopplung nicht bekommt und dadurch monatelang Tag für Tag nach Hause geht und dabei gar nicht wirklich zu Hause ankommt. Der Kopf bleibt in der Klinik und grübelt über all die Unsicherheiten, deren Wesen ein Erfahrener mit wenigen, aber klärenden Worten hätte wandeln können. Diese helfende Art des Miteinanders, die sicher Zeit und Mühen kostet, kann aus meiner Sicht durch keine Lohnerhöhung der Welt ersetzt werden.

Meine bisherigen Erfahrungen sehen jedoch ein wenig anders aus. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass die Frage nach dem „Warum“, die, meinem Verstand regelmäßig entspringend, bei zu vielen Dingen unbefriedigt blieb und ein Unverständnis in mir kultivierte, welches von außen möglicherweise als Desinteresse interpretiert, in Unwissen begründet und mit Ablehnung beantwortet wurde. Vielleicht frage ich wirklich zu viel nach, vielleicht sehe ich in bestimmten Strukturen wirklich einfach zu viel Negatives.
Doch was, wenn nicht? Was, wenn genau diese Unrast, die auf unklare „Warum“s folgt, mein größtes Talent ist, obwohl sie sich eine Spur zu oft als größter Feind anfühlt? Tatsache ist, dass ein Arbeiten mit mir einfacher sein könnte und Tatsache ist auch, dass mir Jeder davon abraten würde, so etwas jemals in einem Blog zu veröffentlichen. Das könnte meiner Karriere schaden. Die Antwort, die mir dazu einfällt, lautet, dass mir Nichts mehr schaden könnte, als Unaufrichtigkeit gegenüber Anderen und gegenüber mir selbst. Ich war und bin sicher nicht der perfekte Medizinstudent und ich werde auch sicher nicht der perfekte Arzt sein. Aber ich werde immer zuhören. Und ich werde immer ehrlich sagen, wo ich stehe. Höflich, aber bestimmt.

Frage ich also nach dem Warum des Medizinstudiums, ist die Arbeit mit und für Menschen die möglicherweise unpräzise, aber irgendwie auch einzige Antwort, die ich geben kann. Und nähere ich mich aus dieser Perspektive dem Medizinstudium, dann sage ich, dass es eine möglicherweise unpräzise, aber irgendwie auch die einzige Möglichkeit für mich war. Ich gehe gerne von den Basics zum Speziellen, und wie hätte ich das besser machen können als mit einem Medizinstudium? Sicher ist es nicht perfekt gelaufen, ganz sicher hätte ich es auch von mir aus besser machen können und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sehe ich in diesem System Schwächen, für deren Verbesserung ich eintreten werde. Trotzdem bin ich mehr als dankbar für das Privileg (und als das sehe ich es wirklich) dieses Studium  durchlaufen haben zu dürfen. Und ich empfinde es als große Ehre unzählige coole Leute kennengelernt zu haben und mit Ihnen eben dieses Privileg teilen zu dürfen.

Dies sind ein paar Gedanken zu meinem Medizinstudium. Und gleichzeitig ist dies auch ein Abschiedspost. Abschied von einem Lebensabschnitt, der von Vielen im Nachhinein als der schönste in ihrem Leben bezeichnet wird. Ich weiß nicht, ob das auf mich zutrifft, aber ich weiß, dass ich das nur herausfinden kann, wenn ich jetzt … losfliege.

Und ich weiß, dass diese Zeit für immer in mir gespeichert sein wird, ganz egal, wohin die Reise geht.

Diese wunderbaren Jahre in Leipzig, vom Oktober 2002 bis Dezember 2008.

 von Matthias am 3. Dezember 2008

without words

Mal ehrlich, was weiß der gemeine Medizinstudent am Ende seines PJ’s schon vom Hammerexamen? Nicht wirklich viel. Und das, was er weiß, konzentriert sich auf Themengebiete, Fakten, Lern- und Zeitpläne und einen Ozean strukturarmer Schauergeschichten.
Das ist gut nachvollziehbar, denn es grenzt schon irgendwie an selbstzerstörerisches Verhalten, sich diese scheinbar freudlose, stressbeladene und sinnlos-stupide anmutende Zeit nach ihrem Abschluss immer wieder ins Gedächtnis zu rufen, um weitergeben zu können, dass dieser Schein trügt.

Denn es lohnt sich, auch einmal die wirklich tollen Sachen, die man durchs Lernen lernt, in das Licht des Bewusstseins zu rücken, die Dinge, die fernab des Mainstream und trotz ihres unbeachteten Daseins wirklich zählen und immerwährend von Bedeutung sind. Dann nämlich tauschen die Schauergeschichten ihren Schauer gegen eine Zuversicht, dass man im Projekt „Staatsexamen“ bei aller Anstrengung und mieser Momente viel mehr gewinnt, als man zunächst denken sollte.

Na, neugierig geworden?

Dann will ich dich nicht länger auf die Folter spannen und dir anvertrauen, was mir vorher keiner über’s Examen verraten hat und wie diese Dinge mein Leben veränderten:

Es gibt gute und schlechte Tage.
Ich habe etliche Wochen gebraucht, um allein das zu begreifen. Ebenso lang benötigte noch einmal die Erkenntnis, dass es klüger ist, sie zu nehmen, wie sie sind, anstatt krampfhaft gegen sie anzukämpfen und oder an ihnen zu haften wie an einer schönen Erinnerung. Was ich erfahren durfte, war, dass man die Täler besser lieben lernt, wenn man die Gipfel genießen möchte. Einfach ist das nicht, eher die härteste Sache der Welt, denn wer gibt schon gern freiwillig Kontrolle ab? Bist du jedoch bereit, täglich und ehrlich daran zu arbeiten die natürlichen Wellen des Lebens anzunehmen, wie sie kommen, wirst du erstaunt sein, wie unsagbar befreiend das sein kann. Und offen gesagt glaube ich mittlerweile, dass ich die Kontrolle, die ich dadurch zu verlieren fürchtete, niemals wirklich besaß.

Wenn du denkst, denke weise.
Jeder Gedanke ist Energie, produziert eine Emotion und somit entspringen alle Emotionen in mir meinem Kopf. Alle. Verzagtheit, Unrast, Freude, Glück, Entspannung, Stress. Alle. Das war eine der bittersten, gleichsam aber auch eine der heilsamsten Pillen, die ich jemals schlucken musste, bedeutet es doch, dass ich Nichts und Niemanden ausser mich selbst für meinen inneren Zustand verantwortlich machen kann. Auf der anderen Seite verleiht dieses Wissen aber auch Einfluss auf das, was vorher von außen induziert zu sein schien und damit die Fähigkeit, es willentlich beeinflussen zu können. Das klappt nicht von Anfang an und sicher auch nicht immer, doch mir ist es wertvoll genug, es mir immer wieder ins Gedächtnis zu rufen und es zu üben, Tag für Tag. Somit war diese Erkenntnis vermutlich eines der größten Geschenke dieses Sommers.

Du musst nicht klug sein, sei einfach nur beharrlich.
Noch mal: Du musst nicht klug sein, sei einfach nur beharrlich. Setze diese Beharrlichkeit auf ein ehrliches Bemühen, gib einen guten Schuss Vertrauen hinzu und du erhältst drei wesentliche Säulen jeden nachhaltigen Erfolges. So einfach ist das. Bemühen – Beharrlichkeit – Vertrauen.

Nur ein klares Ziel, ist ein gutes Ziel.
Denn nur ein klares Ziel ist ein erreichbares Ziel. Je klarer desto besser. Im Nachhinein betrachtet fehlte und fehlt es meist nicht an Zeit (siehe unten), sondern an Klarheit. In multiplen, unpräzisen Zielen gepaart mit strengem Perfektionismus lag vermutlich das Grundübel meiner rezidivierenden Frustration während der Lernzeit, vermutlich aber auch während des gesamten Studiums: Ein bisschen Musik hier, ein paar Nachtdienste da, noch ein paar Volksläufe dort und ach ja, studieren willst du ja auch noch. Und überall sollte es perfekt sein. Ich habe schmerzhaft lernen müssen, dass in der Vielseitigkeit Segen und Fluch eine Wohngemeinschaft bilden. Heute weiß ich, dass die Fähigkeit, sich sinnhaft, klar und präzise auszurichten und zu erreichen, worauf diese Ausrichtung weist, die Essenz eines erfüllten Lebens bildet, eine natürliche Quelle unversiegbarer Energie. Und die liegt auch im Ziel „Staatsexamen.“

Immer nur eine einzige Aufgabe.
Mir war schon vor einiger Zeit zu Ohren gekommen, dass man die Multi-Tasking-Geschichte getrost in die Tonne werfen kann (Ok, dann behalt sie meinetwegen noch für erheiternde Frauen-Männer-Debatten bei einem guten Wein.). Jedoch erst, als ich bewusst begann, mich immer nur auf die eine Aufgabe, die gerade vor mir lag, mit Leidenschaft und Freude einzulassen, ihr meine volle Aufmerksamkeit zu schenken und mich 100%ig auf sie zu konzentrieren, betrat ich das, was allgemein als der „Flow“ bezeichnet wird, ein Zustand scheinbar schwere-, zeit- und mühelosen Arbeitens, der Stress in pure Intensität verwandeln kann. Der Runner’s High des Arbeitens und Lernens. Nicht, dass ich ihn jetzt spielend erreiche, doch ich weiß nun, dass der Schlüssel stets und ausschließlich im gegenwärtigen Moment liegt, in dem Wort, was ich jetzt gerade schreibe, in den Zeilen, die du jetzt gerade liest. Dort lag er und liegt er immer. Und dort wird er immer liegen.

Kleine Schritte machen.
Eigentlich ist es so logisch, trotzdem haben wir es scheinbar wieder vergessen; ich zumindest: So wie wir einst laufen lernten, sollten wir auch arbeiten und lernen, zumindest zu Beginn – langsam und mit kleinen Schritten. Dazu gehört eine ordentliche Portion Disziplin, ich weiß: Nichts fällt Schlagzeugern schwerer, als unzählige Male einen kurzen, ganz bestimmten Handsatz im Schneckentempo zu üben oder einem Golfer, der einen Schlag immer und immer wieder ausführt. Dem Gedanken, man könnte das alles schon, folgt ein schier unwiderstehlicher Reiz, Komplexität, Tempo und Intensität zu erhöhen. Widersteht man aber diesem Reiz nur ein klein wenig länger, als man in der Lage zu sein glaubt, so werden aus meiner Erfahrung die Schritte ganz automatisch länger und schneller, ohne dabei an Qualität zu verlieren. Große, stabile Schritte folgen immer nur auf kleinen zu Beginn.

Qualität braucht Zeit.
Ich weiß schon: Wir haben alles, nur keine Zeit. Geht mir genauso. Oder besser: ging. Nein, eigentlich stehe ich irgendwo in der Mitte zwischen „geht“ und „ging“. Sicher, das klingt jetzt provokativ, doch aus meiner Sicht ist das „Keine-Zeit-haben“ ubiquitärer Irrtum und Symptom einer Mangelmentalität zugleich: Wie sollten wir denn etwas „haben“, was gar nicht wirklich existiert? Wir können Zeit nicht „haben“ oder „besitzen“ wie ein Fahrrad oder einen iPod, wir können sie uns nur nehmen und sie nutzen. Für die Dinge, die uns wichtig sind. Ob Staatsexamen, Studium, Freunde, Musik, Blog, Jogging – will ich nachhaltig Qualität, muss ich mir Zeit nehmen. Anders geht es nun mal nicht.

Was man täglich macht, darin wird man gut.
Es spielt keine Rolle, was das ist: Wenn ich mich Tag jeden ärgere, werde ich besser im Ärgern. Wenn ich jeden Tag operiere, werde ich besser im Operieren. Wenn ich jeden Tag lerne, werde ich besser im Lernen. Egal wofür du dich entschieden hast, mach es täglich. Auch wenn du mal keine Lust hast, mach es trotzdem. Denke nicht viel darüber nach, versuch es nicht, mach es. Du wirst nicht besser, indem du es planst oder organisierst, sondern nur, indem du es tust. Und zwar täglich.

Die Mischung macht’s.
Für einen Gesundheitsfreak wie mich war das auf der Ebene Körper-Geist nichts Neues. Neu aber war ihr Wert, den ich während dieses Schreibtischsommers erst richtig zu schätzen lernte. Der Mensch ist keine Maschine, er braucht seinen Ausgleich. Dein Lernerfolg wird unweigerlich in die Höhe schnellen, wenn du neben deinem Verstand auch deinem Körper und deinem Geist die Aufmerksamkeit schenkst, die sie verdienen. Wie genau das aussieht, kannst nur du selbst für dich herausfinden. Doch herausfinden solltest du es. Besser jetzt als später.

Mehr können, als man glaubt.
Nimm die Tage, wie sie sind, denke weise, bemühe dich beharrlich, vertraue deinem Weg, setze klare Ziele, arbeite an einer einzigen Aufgabe mit Leidenschaft, geh kleine Schritte, täglich, halte Kopf, Körper und Geist in gesunder Balance und du wirst staunen, wozu du fähig bist: Bei weitem mehr, als du jemals zu glauben wagtest.

So, nun weißt du es.

Und auch wenn ich es unerwähnt ließ, weißt du natürlich, dass Fehler in Ordnung, Hindernisse normal und Augenblicke einmalig sind. Darum lass dich nicht von Schauergeschichten über ein hartes, aber definitiv machbares und fantastisch bereicherndes Examen entmutigen, sondern freu dich auf die Reise, die du antreten darfst.

Sie ist es wert!

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Bewertung: 4.5/5 (11 Stimmen)
 von Matthias am 27. November 2008

why yes.

Manche mögen sie, die meisten fürchten sie, einige überlastet sie:

Die mündliche Prüfung.

Mich findet man normalerweise in der ersten Gruppe. Dem jüngsten Ereignis zun Trotz. Und vielen, die ich kenne, geht es ähnlich.
Trotzdem ist und bleibt sie doch eine riesige Herausforderung, auf die jeder Mensch unterschiedlich antwortet. Was meine Antwort mich lehrte, soll Inhalt der folgenden Zeilen sein.

Zunächst die gute Nachricht: Jeder kann die mündliche Prüfung bestehen, ein solides Grundwissen vorausgesetzt. Jeder!
Die weniger gute Nachricht: Ein großer Teil des Resultats liegt weder in der Hand deines frisch erworbenen Wissens noch in deiner. Ein wirklich großer Teil.

Doch Schritt für Schritt.

Eine struktierte Vorbereitung ist wichtig. Punkt.

Doch die beginnt nicht erst 14 Tage davor.

Aus meiner Erfahrung greift das gestresste Prüflingshirn auf solide Fakte zurück, Dauermieter im Neuronendschungel, Stammspieler mit Erfahrung und Leitwolfcharakter.
Davon abzugrenzen ist das spezielle, prüfungsprotokoll-basierte Wissen, die Vorlieben eines Prüfers, junge Dribbeler mit Jokerqualitäten. Ob die nun wirklich auflaufen dürfen, steht auf einem völlig anderen Blatt.

In jedem Fall ist es die Mischung aus Stammspielern und Dribblern, die auf der Ebene der Fakten Erfolg versprechen.

Ist das alles? Ich meine, nein.

Leitwölfe und Dribbler können sich hohe Ziele setzen und sowohl Körper als auch Geist zu Topform trainieren. Doch regnet es, rutschen sogar die Erfahrenen und verspringt den Jungen der Ball:
Wie habe ich geschlafen? Wie liefen die letzten Tage der Vorbereitung? An welcher Position stelle ich meinen Patienten vor? Habe ich zu dem gefragten Thema eine gute Beziehung? Liegt mir die erste Frage? Wie ist der Prüfer heut so drauf? Und und und. Nenn es Schicksal, Glück, Karma oder wie auch immer.

Tatsache ist, dass nicht alles in der Hand deines Wissens und in deiner liegt. Bevor du das nicht akzeptieren kannst, brauchst du nicht weiterzulesen.

Ok, hab’s verstanden. Dann kann ich ja jetzt aufhören mit der Lernerei, oder?

Klar, kannst du. Wenn du bereits alle wichtigen Krankheitsbilder und alles Prüferwissen drauf hast – kein Ding.
Solltest du aber meinen, du könntest der 55-38-7-Regel (nach Albert Mehrabian) blind vertrauen, deinem charmanten Lächeln den hochgestellten Kragen nachsenden und damit erfolgreich sein, wirst du ziemlich sicher scheitern.
7% Inhalt am Gesamtpaket „Kommunikation“ gelten vielleicht bei Schauspielern oder Verkäufern, in der Medizin aber folgt immernoch die Form dem Inhalt, nicht umgekehrt.

Was soll dann das Ganze hier?

Es soll dir 3 Dinge bewußt machen:

  1. Das Lernen für die mündliche Prüfung beginnt mit dem ersten Tag deines Studiums. Darum nutze jeden einzelnen, so gut du kannst, schalte einige Tage vor dem Event auf Höchstleistung, aber mach dich nicht verrückt! Das Wissen, was du brauchst, ist bereits da.
  2. Allein freundliches, selbstbewußtes und respektvolles Auftreten im Team mit Leitwölfen und Dribblern gewinnt das Finale!
  3. Du solltest es besser machen als ich, darum:

Erarbeite dir kontinuierlich die wichtigsten Krankheitsbilder (oder Gesetze, Marketingstrategien, …) bereits im Studium nach einem festen Schema, mit Büchern, die dir liegen und wiederhole sie kurz vor deiner Aufführung noch einmal.

Lerne wenn es soweit ist die Prüfungsprotokolle mit dem Bewusstsein, dass sie wichtig sind, aber nicht alles.

Trainiere deine Körpersprache wie deinen Geist genau so intensiv, wie du lernst und umgekehrt.

– In der Prüfung: Bewahre Ruhe, nimm deinen Atem in den Mittelpunkt, halte ihn dort und folge ihm.

– Sitz würdevoll und lächele, nicht nur, aber besonders dann, wenn du an der Reihe bist. Denke daran, wie einmalig und priveligiert es ist, was du gerade erlebst. Genieß es!

– Bekommst du eine unangenehme Frage, dann denke laut. Zeig den Prüfern, dass du es dir herleiten möchtest.

– Wenn es wirklich nicht anders geht, wage den Versuch, das Gespräch in wärmere Gewässer zu lenken. Einmal.

– Falls du mal musst, dann geh während eines Wechsels der Prüflinge, beiß in einen Riegel und mach ein paar Stretching-Übungen.

– Und das Allerwichtigste: Lass nicht zu, dass etwas in dir deine Leistung oder gar deine Persönlichkeit an die Note knüpft.
Es geht nicht darum, was du weißt, sondern darum, dass du bereit bist, zu wissen, dass du manches eben nicht weißt.

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 von Matthias am 25. November 2008

Heute mal ein paar Denkanstöße zum „Besser Lernen“ und „Besser Arbeiten“

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Bewertung: 5.0/5 (4 Stimmen)
 von Matthias am 23. November 2008

In Erinnerung.

Randy Pausch starb am 25. Juli 2008 im Alter von 47 Jahren an den Folgen eines metastasierten Pankreas-Karzinoms. 10 Monate vor seinem Tod hielt er seine letzte Vorlesung als Professor für Informatik. Diese „Last Lecture“ als ein Credo an das Leben ging um die Welt, wurde millionenfach angesehen und in Buchform veröffentlicht.

„Wenn du Menschen kennen lernen möchtest, beobachte einfach, was sie tun.“

„Nur wenn du an den Basics arbeitest, können die tollen Sachen Spaß machen.“

„Führe ein aufrichtiges Leben und deine Träume kommen zu dir.“

 von Matthias am 21. November 2008

Taking it one step at a time..

Es erscheint verrückt: Da macht so’n Typ sein Staatsexamen und nachdem er es nun mehr oder minder zufriedenstellend über die Runden bringen konnte, scheint er nichts Besseres zu tun zu haben, als weiter darüber zu schreiben.

Ob es ihm wirklich gut geht?

Oh, nur keine Sorge. Mehr als gut.

Also warum das alles?

Nun,  ich muss mit Erschrecken feststellen, dass es mir von Tag zu Tag schwerer fällt, mich an bestimmte Situationen, Erkenntnisse und Erfahrungen zu erinnern. Dies kollidiert mit meinem Vorhaben es für Nachwelten festzuhalten. Ich werde darum in den kommenden Wochen versuchen meine Sicht auf ein Studium der Medizin in Leipzig weiterzugeben, so inhaltsreich und wertvoll wie möglich.

Ich mache das, weil es mir wichtig ist und weil ich überzeugt bin, dass Wesentliches weniger in Lehrbüchern als vielmehr in Menschen verborgen liegt.

Dies also ist die Überzeugung und damit auch Leitschnur der STEXDOSE für die nahe Zukunft und ich lade jeden herzlich ein, seine oder ihre Erfahrungen frei und respektvoll einzubringen.

Henry Ford soll einmal Folgendes gesagt haben:

„Coming together ist a beginning. Keeping together is progress. Working together is success.“

Stufe 1 haben wir gepackt. Und was für ein Resultat!

Was wäre, gingen wir einen Schritt weiter? Und dann noch einen?

Ich freue mich auf Stufe 2!

Euer Matthias

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 von Matthias am 20. November 2008

Liebe STEXler und Jung-Ärzte,

beim Durchscrollen cooler Webseiten bin ich auf diese Video gestoßen. Da ich, wie viele von euch auch, meinen Player quasi immer bei mir habe (u.a. um mir immer und überall Lernaudios anzuhören), ist das eine Lösung, wie man Kabelsalat vermeiden und einfach schnell drauf loshören kann:

Die Sache klappt auch wunderbar mit den Hüllen der „Kinder Überraschungseier“.

Damit bekommt man jetzt also 4 Sachen auf einmal!

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 von Matthias am 19. November 2008

You're welcome

Liebe STEXler und Jung-Ärzte,

eine Woche ist vergangen, seitdem weniger mein Wissen als vielmehr die Gunst der Stunde sowie der Prüfer und einige unkalkulierbare Faktoren mehr ein sechsjähriges Studium zu einem Abschluß brachten. Die Absicht all die angesammelten Erkenntnisse und Erfahrungen für jene, die nach uns kommen, festzuhalten und bereitzustellen, wich bisher einer permanenten Erschöpfung. Bisher.

Doch bevor ein Verarbeiten des Vergangenen sowie ein Ausblick auf Kommendes fruchten kann, möchte ich diesen heutigen Post nutzen, um etwas Essentielles loszuwerden:

DANKE!

Danke jedem von euch, der einen Grund spürte, der STEXDOSE zu folgen und erst mit ihrem oder seinem Engagement etwas vitalisierte, dem zu folgen es lohnte.

Danke, Christian, für deine wöchentlichen Lernsprüche, die nicht selten mehrfach gelesen wurden, bevor mit der Erkenntnis ein Schmunzeln einherging.

Danke, Frank, für das Sammeln und Bereitstellen rheumatologischer Eselsbrücken deines Oberarztes, der die eigene Leistung mit dem Grad des Behaltens in den Studenten verlinkt.

Danke, Antje, für Tipps und Telefonate ohne Ende, zeitlich und informativ.

Danke, lieber Prof. Blüher, für den Mut und die Offenheit des ersten Interviews auf einer Seite in ihren Kinderschuhen, von der Keiner wußte, ob sie laufen lernt.

Danke, lieber Dr. Muth, für Worte der Gelassenheit und Weisheit, die man so in keinem Buch finden kann, wahrscheinlich genau aus diesem Grund.

Danke, lieber Dr. Borger, für ein Stück Kanada auf der STEXDOSE sowie die unzähigen aufmunternden Emails.

Danke, Vivimed, du weißt, wofür.

Danke, Familie, für die Freiheit und das Vertrauen, das ihr schenkt. Ich bin durch euch.

Und zu guter Letzt:

Danke, Johannes, für den Techniker, den Designer, den Redakteur, den Kritiker, den Motivator, den Zuhörer, den Logistiker, den Ideengeber, … den Bruder!

Die vergangenen Monate werden ewig in dem Teil meines Hirns gespeichert bleiben, in dem die intensivsten und aufregendsten Momente des Lebens liegen, um auch in Jahrzehnten noch unterhalten zu können.

Das habe ich dem Examen zu verdanken. Und euch!

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 von Matthias am 15. November 2008

Paradise Island

Liebe STEXler und Jung-Ärzte,

es ist Samstagnachmittag und ich stelle mit Erstaunen fest, wie schnell die ersten freien Tage nach den Prüfungen vorbeigerauscht sind. Ich glaube, 4 Post-freie Tage sind auch Neuland für die STEXDOSE. Sie ruht sich ein wenig aus und kümmert sich um Familie und Freunde. Ab Montag ist sie wieder am Start.

Sie hat mich aber gebeten, all jenen, die noch für ihre mündliche Prüfung lernen „dürfen“, Folgendes auszurichten:

Ich denke an euch und sende euch Kraft und Zuversicht! Bleibt geduldig und gönnt euch bewußte Pausen. Und wenn es mal überhaupt nicht zu laufen scheint, seid ihr mehr als willkommen, mich anzuschreiben. Vielleich kann ich ja irgendwie helfen, vielleicht hilft euch aber auch das bloße Schreiben über eine schwere Phase hinweg.

Wie auch immer, ich bin für euch da.

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 von Matthias am 11. November 2008

The Rock

Liebes Logbuch,

heute war ein guter Tag. Nicht nur, dass ich ihn überhaupt erleben durfte. Vielmehr weiß ich endlich, wer ich bin und wo mein Platz ist in dieser Welt.

Doch bleiben wir systematisch:

  1. 8.30 Uhr – „Ihr Patient atmet nicht mehr, was machen Sie?“ Endziel dieser Frage bei einem tumorösen Prozess im Hypophayrynx war die Tracheotomie. Check.
  2. 9.20 Uhr – „Ihr Patient hat starke Bauchschmerzen, was könnte das denn sein?“ Nach schlichtem Abarbeiten aller möglichen DD’s fokussierte der orthopädische Geist die Appendizitis, über die ich dann referieren durfte. Check.
  3. 10.45 Uhr – „Womit befasst sich der Pathologe in der Frühphase des Lebens?“ Hm, Abort? „Richtig, doch womit genau?“ Hm, … Kurz und gut, hier brachen die Wellen der Pathologie über mir zusammen, da ich bei Hauptfach HNO ehrlich gesagt nicht mit der humangenetischen Pathologie des Throphoblasten gerechnet habe. Kein Check.
  4. 11.20 Uhr – „Was ist denn die Hypertonie, die hypertone Krise und der Myokardinfarkt?“ Viele Worte und ein zufriedenes Prüfergesicht später fiel ab, was ich als Anspannung bezeichnen würde. Check.
  5. 12.10 Uhr – Wir möchten die Noten verkünden.

Ich bin durchschnittlich. Das haben sie gesagt und gaben mir eine 3.

Erst einmal war ich enttäuscht, weil ich doch immer dachte, dass jeder Mensch und somit auch ich per se etwas Besonderes sei.

Mit einigen Stunden Abstand aber erkenne ich nun klar die beste Nachricht meines Lebens: Wenn ich durchschnittlich bin, dann muss ich mir um die Welt, wie sie ist und wie sein sollte, nie wieder Sorgen machen. Dann ist sie ganz ok, so wie sie ist.

Diese Überzeugung wird wahrscheinlich nicht allzu lange gastieren und ich werde wieder Dinge sehen, die nicht richtig sind und die ich so absolut nicht hinnehmen kann, möchte ich weiterhin gut schlafen. Doch für den heutigen Abend, nach grob überschlagenen 108 Lerntagen, dient sie der positiven Sichtweise auf das Ende der Lernzeit für mein Staatsexamen.

Und nichts auf dieser Welt, von einer abgebrochenen 8 ganz zu schweigen, kann mir diese Sicht vermiesen.

Es grüßt herzlich ein frisch gebackener Mediziner!

Matthias

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