von Jenny am 9. April 2009

Lab Goggles

Was ihr über die Psychiatrie immer schon einmal wissen wolltet und wie ihr Stolperfallen, die zu unnötigem Punkteverlust führen, vermeiden könnt, findet Ihr heute hier auf STEXDOSE.de. Das Motto lautet: Immer schön den Durchblick behalten!

  • Erkrankungen des Gehirns, sei es durch Traumata, Encephalitis oder Durchblutungsstörungen, können zu Veränderungen der Persönlichkeit führen, einer sog. organischen Persönlichkeitsstörung. Dabei bestehen v.a. Störungen des Affekts und des „gesamtseelischen Energieniveaus“. Der ICD-10 fordert als diagnostische Leitlinien das Vorliegen von mind. 2 der folgenden Merkmale:
    • Unfähigkeit, Ziel gerichtete Aktivitäten länger durchzuhalten
    • verändertes emotionales Verhalten: affektive Labilität (schneller Stimmungswechsel), übertriebene Fröhlichkeit, Reizbarkeit und Wutausbrüche, aber auch Antriebsminderung, affektive Einengung (Mangel an emotionaler Schwingungsfähigkeit) und Apathie
    • Äußerungen und Ausleben von Bedürfnissen und Impulsen ohne Berücksichtigung von Konsequenzen oder sozialen Normen, z.B. Stehlen, vernachlässigte Körperpflege, unerwünschte sexuelle Annäherungen
    • übermäßiges Misstrauen oder paranoides Denken
    • Veränderung der Sprachproduktion, zähflüssiges Denken
    • verändertes Sexualverhalten
  • Korsakow-Syndrom ist eine spezielle Ausprägung des organischen Psychosyndroms bei chron. Alkoholmissbrauch; auch ein akutes Korsakow-Syndrom mögl. in Form eines amnestischen, potenziell reversiblen Durchgangssyndroms.
    • Desorientiertheit zu Ort und Zeit, aber Orientierung zur eigenen Person regelrecht
    • Zeitgitterstörung
    • Konfabulationen (Geschichtenerfinden), durch die der Betroffene seine Gedächtnislücken überspielt
    • Merkfähigkeitsstörungen, v. a. des Kurzzeitgedächtnisses
  • Dissoziative Störungen:
    • dissoziative Amnesie (eine zeitlich oder inhaltlich begrenzte Erinnerungslücke, die partiell für bestimmte traumatische oder belastende Ereignisse oder total sein kann)
    • Ganser-Syndrom: absichtliches Vorbeireden; Frage wurde verstanden!
    • dissoziative Trance und Besessenheitszustände
    • dissoziative Dämmerzustände/Stupor
    • dissoziative Fugue (frz. Flucht): völliges Vergessen des alten Lebens und Annehmen eines neuen Lebens
    • multiple Persönlichkeit
    • dissoziative Bewegungsstörungen
    • dissoziative Krampfanfälle
    • dissoziative Empfindungsstörungen.
  • Früher auch unter dem Begriff „Hysterie“ zusammengefasst:
    • Somatisierungsstörungen mit verschiedenen körperlichen Symptomen im raschen Wechsel
    • Konversionsstörungen mit pseudoneurologischen Störungen (Anfälle, sensible und motorische Störungen)
    • histrionische Persönlichkeitsstörung

ACHTUNG IMPP-Fallen!!! CAVE Punkteverlust!!! VORSICHT Verwechselungsgefahr!!!

  • Synästhesie: Zugleichempfinden auf verschiedenen Sinnesgebieten (Syn- zusammen!)
  • Zönastehsie: qualitativ eigenartige Leibesempfindungen, Charakter des von außen Gemachten und ist ein Symptom 1. Ranges der Schizophrenie.
  • Kataplexie: plötzlicher (Kataplexie wie plötzlicher) Tonusverlust der gesamten oder von Teilen der Körpermuskulatur als Rkt. auf eine unerwartete affektive Erregung, z.B. Lachschlag; eher neurologisch!
  • Katalepsie: Beibehalten von Körperhaltungen, in die der Betroffene passiv gebracht wurde; psychiatrisch!
  • Sopor: quantitative Beschreibung einer Bewusstseinsstörung
  • Stupor: Extremform der Hemmung des Antribes und der Psychomotorik; volles Bewusstsein, aber Unfähigkeit sich zu bewegen. V.a. bei Depression
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Highlights der Psychiatrie im Medizin-Staatsexamen, 4.4 out of 5 based on 11 ratings

2 Kommentare zu “Highlights der Psychiatrie im Medizin-Staatsexamen”

  1. Hallo Jenny,
    kann es sein, daß der Charakter des gemachten zum leiblichen Beeinflussungserleben gehört (1.Rangssymptom) und nicht zu den Zönästhesien?
    Viele Grüße, Anne

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  2. Hallo Anne,

    sehr gut aufgepasst- danke! Da hat sich wohl ein Dreckfuhler eingeschlichen, den ich oben bereits ausgebessert habe!
    Allerdings gibt es auch eine Zönästhetische Schizophrenie (ICD-10: F20.8, die als halluzinatorische Körpermissempfindung mit langsamer Progredienz und schlechter therapeutischer Beeinflussbarkeit definiert wird (Vgl. Neurologie und Psychiatrie 07/08 Gleixner et al., S. 313f.)
    Ich glaube, dass man hier nicht genau trennen kann zwischen Zönästhesie an sich und der Zönästhetischen Schizophrenie, bei der wieder die Schizophreniesymptome 1. Ranges greifen würde.

    Weiterhin viel Erfolg!

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