von Jenny am 5. April 2009

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In der Rechtsmedizin gibt es ein paar Regeln zu beachten, und vor allem gilt es sich mal wieder viele Eigennamen zu merken, in denen sich Wissenschaftler und Ärzte verewigt haben. Genannt werden sollen deshalb:

  • Tardieu-Flecken: petechiale Blutungen in die Konjunktiven, Gesichtshaut und serösen Häute der Brustorgane als Erstickungszeichen
  • Simon-Blutungen: Blutungen in den vorderen Längsbändern der LWS beim Erhängen
  • Platauf-Flecken und Sehrt’sche Magenschleimhautrisse findet man nach Ertrinken
  • Wischnewski-Flecken: hämorrhagische Erosionen der Magenschleimhaut bei Kältetot
  • Holzner’sche Blasen: v.a. an den Auflagestellen (z.B. Knöchel) zeigen sich Blasen, in deren Inhalt sich Barbiturate nachweisen lassen, also bei Barbiturat-Intoxikation
  • Mess’sche Nagelbänder bei chron. Intoxikation (Wochen) mit Arsen oder Thallium Intoxikation

Und folgende Regeln sollten uns präsent sein:

Die Hutkrempe-Regel besagt, dass Verletzungen oberhalb der Hutkrempe eher auf Fremdeinwirkung (Schlag- oder Hiebwirkungen) und unterhalb der Hutkrempe eher auf ein Sturzereignis
(Sturz zu ebener Erde, nicht aus Höhe) hindeutet.

Die Puppe’sche Regel besagt, dass die später entstandenen Bruchlinien immer an den vorher entstandenen Frakturlinien enden. Und allgemein gilt: Querdurck erzeugt Querbruch
und Langdruck erzeugt Längsbruch.

Die Nysten‘ Regel beschreibt die Reihenfolge der Ausbreitung der Totenstarre: beginnend im Kiefer- und der Nackenmuskulatur, über den Schultergürtel und die obere Extremität,
nach distal. Zu beachten ist, dass die Schnelligkeit der Ausbreitung und auch der Rückbildung von der Umgebungstemperatur abhängt. Die Totenstarre bildet sich bei Wärme schneller aus
als bei Kälte!

Die vollständige Totenstarre ist nach 6-12 Stunden p.m. ausgebildet.
Nach erster Brechung würde eine Starre nur innerhlab 10 Stunden wiederauftreten.
Des Lösen der Totenstarre durch Autolyse setzt nach 48-72 Stunden ein.

Die Casper’sche Regel besagt, dass der Fäulniszustand einer Leiche an der Luft nach 1 Woche, 2 Wochen im Wasser und 8 Wochen im Erdgrab entsprechen.
Außerdem finde ich noch folgende Fakten erwähnenswert:

  • Schussformen:
    • Ringel-/Konturschuss: Projektil folgt der Form des Knochens
    • Geller-/Prellsschuss: Projektil durchdringt nicht die Haut
    • Krönlein-Schuss: Schädelsprengung durch die Geschosswirkung
    • Steckschuss: Projektil verbleibt im Körper (Pb-Intoxikation möglich)
    • Gellert-Schuss: Ablenkung des Geschosses während des Fluges
  • Ödema aquosum, d.h. ein Lungenödem findet man nach Ertrinken im Salzwasser
  • Emphysema aquosum, d.h. ein Lungenemphysem findet man nach Ertrinken im Süßwasser
  • Sichere Todeszeichen sind: Totenstarre, Totenflecke, Fäulnis (Bei Leichenschau muss mindestens ein sichers Todeszeichen erfüllt sein)

Also, war es Suizid oder doch eher Mord??? Manchmal kann das IMPP doch richtig spannende Fälle fragen und man fühlt sich einmal mehr wie in einem richtigen Krimi!

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Bewertung: 4.4/5 (21 Stimmen)
Regeln der Rechtsmedizin im Medizin Staatsexamen, 4.4 out of 5 based on 21 ratings

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