von Jenny am 23. Februar 2009

working with coffee grounds

Liebe Stexler,

kurz vor meiner allgemeinen Wiederholung des schon wieder vergessenen oder verdrängten Stoffes, kommt zum Abschluss der ersten Runde ein für mich anfängliches Graus! Wenn ich mich in meiner bisherigen medizinischen Karriere unwohl gefühlt habe, dann war es im dermatologischen Seminar. Eigentlich scheue ich weder infektiösen Patientenkontakt, noch lasse ich mich von übelriechenden Wunden beeindrucken! Warum es mir ausgerechnet dann in der Dermatologie nicht gefallen hat, kann ich bis heute nicht beantworten! Vielleicht war es die Reizüberflutung der verschiedenen Effloreszenzen…

Und so sind wir mitten im Stoff: Die primären Effloreszenzen sind nicht schwer zu merken, wenn man sie sich erst einmal veranschaulicht hat- vielleicht am besten mit einem Dermabuch (welches ich zu eurem Erstaunen nicht besitze) oder mit Hilfe unseres guten alten Google-Bild-Suchers. Dort würde der interessierte Nicht-Dermatologe folgendes als primäre Effloreszenz bestaunen können:

  1. Den gemeinen Fleck = Makula
  2. Das kleine Knötchen = Papel
  3. Die konfluierenden Papeln = Plaque
  4. Den großen Knoten = Nodulus
  5. Das kleine serös gefüllte Bläschen = Vesicula
  6. Die große serös gefüllte Blase = Bulla
  7. Die gemeine Pustel = Pustula
  8. Die quaddelnde Urtica = Quaddel

und die IMPP relevanten sekundären Effloreszenzen Lichenifikation und Erosion; aber auch Narben, Schuppen und Krusten können dazu gezählt werden.

Ein besonderes Schmankerl lässt das IMPP bei keinem von mir gekreutzen Examen aus und reitet dabei besonders auf der Immunfluoreszenz oder der Histologie rum- was für uns bedeuten kann, dass wir da evt. (natürlich wie immer ohne Gewähr) Punkte erhaschen können!

Pemphigus vulgaris

vs.

Bullöses Pemphigoid

vs.

Dermatitis herpetiformis Duhring

vs.

Pemphigoid gestationis

Weiterhin habe ich mir hin und wieder die Prädilektionsstellen einiger Erkrankungen gemerkt, z.B.-

  • Skabies findet man eher an dünner Haut, wie Interdigitalfalte, Axilla, Genitale/ Penisschaft, Regio umbilicalis und Mamillen. Beim Erwachsenen daher NICHT am Kopf oder im Gesicht, hingegen beim Säugling schon!!!
  • Neurodermitis beim EW an den Beugeseiten, beim Kind eher an den Streckseiten!

Zusätzlich musste ich feststellen, dass die gute alte Syphilis (die übrigens eine gute Freundin schon als Geheimtipp für einen Fall handelt) in allen Stadien erstaunliche Hautpathologien hervorrufen kann!

  1. Das nicht schmerzhafte und hochinfektiöse Ulcus durum als Primäraffekt im Stadium 1
  2. „Bunte“ nicht juckende, braun-rötliche Exantheme (= Syphilide) im Stadium 2
  3. Granulome = Gummen im Stadium 3
  4. Im Stadium 4 bleibt die Haut eher verschont, dafür muss hier das Nervensystem dran glauben! Folgen sind Tabes dorsalis und progressive Paralyse!

Zwischendurch grüßen zahlreiche andere Effloreszenzen: Condylomata lata, Papeln an Händen und Füßen, diverse Plaques im Mund-, Genital- und Analbereich u. a.

Somit ist die (meldepflichtige) Erkenntnis des Tages:

„Die Syphilis ist das Chamäleon der Dermatologie“

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