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Optimal Lernen für das Hammerexamen: 3. Der Augenblick

The Mechanic Eye

Herzlich Willkommen zum dritten und damit letzen Teil der Serie: „Der Weg zum Gipfel – Wie lerne ich für das Hammerexamen?“

Nach Zieldefinition und Lernstrategie soll dieser Post jene Komponente der Vorbereitung beleuchten, von der wirklich Alles abhängt. Es ist:

Der Augenblick

Ziel der folgenden Zeilen ist es, euch zu befähigen, jede intensive Lernzeit und besonders die des Hammerexamens optimal zu nutzen, ohne dabei ständig zwischen Ablenkung, Trägheit und Arbeitswut hin und her zu pendeln. Dabei stütze ich mich auf Erkenntnisse und Erfahrungen, die ich sammeln durfte und von denen ich hoffe, dass sie auch euch weiterbringen.

Erkenntnisse

Laut dem renommierten Hirnforscher Ernst Pöppel erleben Erwachsene Zeit in wachem und gesundem Zustand unbewusst in Drei-Sekunden-Fragmenten. Diese werden „semantisch verknüpft“, was dann kontinuierliche Zeit entstehen lässt, die uns unglaublich langsam oder rasend schnell vorkommen kann.
Nach ca. drei Sekunden zerfallen demnach unsere sogenannten Wahrnehmungsgestalten, ein Augenblick endet, ein neuer beginnt. Interessanterweise entspricht das auch dem durchschnittlichen Abstand zwischen zwei Lidschlägen bei einem gesunden Erwachsenen: Dem wörtlichen Augenblick.

Wir leben somit unbewusst in Fragmenten, die verknüpft werden und sich der gegenwärtig optimalen Signalverarbeitung im Gehirn anzupassen scheinen. Sind wir müde, blinzeln wir beispielsweise öfter. Wie ein extrem kurzer Neustart unseres Systems.

Drei Sekunden, nach denen unser Gehirn beinahe automatisch nachfragt, nach Neuem sucht, sich im Prinzip also selber ablenkt. Je aktiver unser Gehirn, desto stärker dieser Impuls. Tatsächlich kommt der Begriff des zerstreuten Professors nicht von ungefähr.

Die Erkenntnis dieser drei Sekunden erklärte für mich vieles.
In ihnen liegen das ganze Geheimnis und gleichzeitig größter Fluch und größter Segen: Dieser kurze Systemneustart nämlich erlaubt es uns, immer wieder zu beginnen. Wir haben tatsächlich die Wahl. Wir können uns immer wieder entscheiden, für oder gegen den Augenblick und damit für oder gegen unser Ziel. Egal, wie schlecht es LIEF, wie genervt wir oder wie mies die Umstände sind.
Tun wir das nicht, bekommen wir es erst mit, wenn vom x-ten Durchkauen der GOLD-Schweregradeinteilung  der COPD nicht viel hängen geblieben scheint und wir uns maßlos darüber ärgern.

Es steht und fällt also mit unserer Motivation, der Motivation bewusster Aufmerksamkeit als ein ständiges Ausrichten, ein ständiges Entscheiden für den neuen Moment. Immer wieder.
Im „Gegenzug“ erhalten wir Zugang zu einer schier unerschöpflichen Kraft, der Kraft des Augenblicks.

Ganz toll, Prof. Matthias. Und wobei hilft mir das?

Erfahrungen

Beherrsche deinen Geist, oder er wird dich beherrschen. (Horaz)

Der Clou an der Sache ist: Wir können diese bewusste Aufmerksamkeit trainieren wie einen Muskel, einen Muskel, der Zeit quasi aufhebt und uns völlig im Hier und Jetzt aufblühen lässt. Seine Kontraktion ist unsere Entscheidung für den Augenblick und gegen Ablenkung und Trägheit. Sie ist unsere Wahl, neu zu beginnen.
Darum möchte ich Jeden, der konzentrierter, produktiver und gleichzeitig gelassener arbeiten möchte, herzlich einladen diesen Muskel zu trainieren. Und auch wenn das irgendwie seltsam und ungewöhnlich daherkommt, bin ich von dem positiven Effekt dieses Trainings auf individueller, gemeinschaftlicher und sogar globaler Ebene fest überzeugt.

Wow! Wie trainiere ich diesen Muskel?

Als Trainingspartner dienen sämtlich repetitive „Aktivitäten“, willkürliche wie unwillkürliche.
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es überaus sinnvoll sein kann mit kleinen Dingen zu beginnen. Der optimale Trainingspartner für den Anfang ist: Der Atem.

Die Atmung ist die einzige Körperfunktion, die wir teilweise willkürlich beeinflussen können, obgleich sie völlig automatisch immer wieder abläuft (erstaunlicherweise beträgt die Dauer eines Atemzugs in Ruhe ca. drei Sekunden).
Den eigenen Atem sanft zu spüren, zu beobachten, ohne absichtlich zu atmen oder irgendetwas zu forcieren, stärkt den Muskel, der uns die Kraft des Augenblicks eröffnet. Das für einige Minuten frühmorgens als eine Art Routine geübt, kann einen immensen Einfluss darauf haben, wie der ganze Tag läuft. Dabei geht es nicht um die Atmung. Es geht darum sich immer wieder neu für die bewusste Wahrnehmung des Atems zu entscheiden. Der Atem ist lediglich das Gewicht, mit dem wir bewusste Aufmerksamkeit trainieren.

Mit der Zeit wird unser Muskel so stark, dass auch andere Aktivitäten zu Trainingspartnern werden: Jogging, Lesen, Fahrrad fahren, Essen, Zuhören. Und dann geht es einem auf:
Es gibt nichts, was diesen Muskel nicht trainiert, ein wenig Disziplin vorausgesetzt: Lernen, Kreuzen, Sitzen, Gehen, Trommeln, … .

Und es gibt nichts, worauf dieser Muskel nicht positiv wirkt.

Darum mein Rat aus tiefstem Herzen: Trainiert ihn für acht Wochen und schaut, was passiert.
Höchstwahrscheinlich stärkt ihr euer Durchhaltevermögen, eure Auffassungsgabe und eure Disziplin und verweist Ablenkung, Trägheit und Arbeitswut auf die hinteren Ränge.

Als Wegzehrung gibt es nun noch 5 „Wenn-Dann-Strategien“, die mir täglich helfen produkiv zu sein. Diese in Kombination mit einem wachsenden Muskel der Entscheidung für den Moment, klar auf ein Ziel ausgerichtet und auf einer klugen Strategie ruhend, sind alles, was eine erfolgreiche Lernzeit braucht.

1. Wenn ihr anfangen möchtet mit lernen, dann …

– … lest euer Examensziel und schreibt die wichtigsten Tagesziele aus eurer Lernstrategie heraus auf einen Zettel.
– … legt alle nötigen Bücher bereit und startet die Programme auf dem Rechner.
– … stellt Tee und Studentenfutter (oder was auch immer) auf den Tisch.
– … schaltet Handy, Messenger und Email auf stumm und stellt euch einen Timer für die erste Lernphase.
– … legt los.

2. Wenn es nicht richtig voran geht, dann …

… fokussiert die allernächste physische Aktion, die euch weiterbringt und macht diese.

3. Wenn wirklich gar nichts mehr funktioniert, dann …

… macht eine Pause, steht auf, macht Stretching-Übungen oder seid so konsequent und nehm euch ganz frei. Ein Tag ist ok.

4. Wenn es stressig wird, dann …

… konzentriert euch auf die eine Aufgabe, die vor euch liegt und macht diese bewusst extrem langsam.

5. Wenn der Lerntag und die Lernwoche vorbei sind, dann …

… hakt auf dem Zettel ab, was ihr geschafft ab und freut euch darüber. Ihr habt gut gearbeitet! Am Ende der Lernwoche liefert euer Zettel mit den gesammelten Tageszielen den Beweis.

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4 Kommentare (Öffnen | Schließen)

4 Kommentare Empfänger "Optimal Lernen für das Hammerexamen: 3. Der Augenblick"

#1 Pingback von Der Weg zum Gipfel: Wie lerne ich für das Hammerexamen? | STEXDOSE.de am 19. Januar 2009 @ 13:22

[…] 3. Den Augenblick […]

#2 Kommentar von Lea am 20. Januar 2009 @ 11:36

Hallo, erstmal nur kurz: ich bin erstaunt und begeistert über diese Website, werde dem aber zu einem anderen Zeitpunkt ausführlichr Ausdruck verleihen, DENN: Ich will anfangen zu lernen. Und da wollte ich sehr gerne Deinen gestrigen Eintrag lesen, von dem bei mir nur die ersten Zeilen erscheinen. Alle anderen Einträge konnte ich bisher lesen. Kannst Du diesen nocheinmal reinstellen? Würde mich freuen.
Grüße vom Schreibtisch und wie gesagt, ein andermal mehr… Lea

#3 Kommentar von Matthias am 20. Januar 2009 @ 11:53

@Lea,
vielen Dank für deine Nachricht. Meinst du diesen Artikel (http://www.stexdose.de/2009/01.....zu-lernen/)? Bis wohin kannst du ihn denn lesen?
Er behandelt lediglich 4 für den Beginn aus meiner Sicht essentielle Punkte.Falls du daneben Fragen hast, die unbeantwortet bleiben, bist du herzlich willkommen, sie mir zu schreiben. Wann schreibst du dein Examen?
Viele Grüße!
Matthias

#4 Kommentar von Lea am 22. Januar 2009 @ 10:39

Lieber Mathias, danke für Deine Antwort! ja, den mein ich. ich kann nur den Anfang lesen, der angezeigt wird, wenn ich auf „Wissensspeicher“ gehe, wenn ich den Artikel dann anklicke, erscheint nur die Überschrift. Vielleicht kannst Du ihn in eine e-mail kopieren? Ich würde mich freuen.
Ich schreibe im April mein Examen und fange tatsächlich jetzt erst an zu lernen, kommt mir unglaublich spät vor, denn ich hatte einen großen Teil meines Urlaubs schon im Sommer genommen (was ich auch nicht bereue, denn Italien ist im Sommer einfach superschön), hatte noch was für dieses Ding zu tun was mit „Do…“ anfängt und mit „Arbeit“ aufhört, und brauchte auch ein bisschen Pause. Aber genug lamentiert, eigentlich freue ich mich, nun zu starten in dieses Projekt, für das ich mir zum Ziel gesetzt habe, während dieser Zeit weiter zu leben, abends auf zu hören mit lernen und anderes zu tun, achtsam mit mir und meinen Ressourcen umzugehen und de Welt um mich herum nicht zu vergessen UND was am schwierigsten wird: die Zeit, die ich mit lernen verbringe auch wirklich zu lernen, dem Männchen in meinem Kopf freundlich einen Platz irgendwo in der Ecke anzubieten und weiter zu lernen… und da stieß ich beim planen auf Deinen Blog, hatte den Eindruck, dass du durch alle Höhen und Tiefen genau so durch Deine Examenszeit gegangen bist, freue mich riesig über Deine Posts, die Offenheit in der Du schreibst und die Freude an diesem „Projekt Examen“, die Du vermittelst!
Vielen Dank schonmal und viele Grüße, Lea