von Matthias am 29. Dezember 2008

good question

Pünktlich zum Vorbereitungsbeginn der Hammerexamina 2009 ein Herzliches Willkommen zum ersten Teil der Serie: „Der Weg zum Gipfel: Wie lerne ich für das Hammerexamen?“.

Ich möchte mit den folgenden drei Artikeln essentielle Instrumente für ein erfolgreiches und erfülltes Staatsexamen vermitteln.
Und auch wenn es ungewöhnlich erscheint, muss ich der Lernstrategie, die wir als so unglaublich wichtig ansehen, mit dem heutigen Post  einen ersten, in meinen Augen viel wichtigeren Punkt voranstellen:

Das Ziel

„Kaum verloren wir das Ziel aus den Augen, verdoppelten wir unsere Anstrengungen.“ Mark Twain)

Der allererste, weil aus meiner heutigen Sicht allerwichtigste Schritt im dreistufigen Prozess einer optimalen Vorbereitung auf das Hammerexamen liegt in einer sinnhaften, klaren und präzisen Zieldefinition.
Seltsamerweise übergehen wir diesen Schritt meist und bauen somit unser Lernfundament unfreiwillig auf wackligem Fundament. Ich habe das gemacht und erfahren, welche Konsequenzen das mit sich bringen kann. Die Gründe für unser Einsteigen bei Schritt Zwei der Planung könnten in einer Form der Bequemlichkeit oder schlicht in Angst zu finden sein: die Bequemlichkeit, sich nicht festlegen zu wollen und die Angst, das gesteckte und kommunizierte Ziel nicht zu erreichen. Ich kann beide Punkte sehr gut verstehen, schließlich fand ich sie auch bei mir selbst. Doch wenn ich etwas gelernt habe, dann dass wir uns keinesfalls aus Bequemlichkeit und/oder Angst heraus die wertvollen Vorteile einer klaren Zielsetzung durch die Lappen gehen lassen sollen.

Der Zweck einer sinnhaften, klaren und präzisen Zieldefinition

Im Ziel liegt Sinn

Lernen ist eine Art von Arbeit, nämlich Wissensarbeit (das Produkt ist Wissen), bei der unser Kopf eine, wenn nicht DIE entscheidende Rolle spielt. Die klare und präzise Zieldefinition hilft wie kaum ein anderes Instrument den Kopf mit seinen unterbewussten Kräften auf dieses Ziel einzustimmen. Unsere Aufmerksamkeit, unsere SINNe erweitern sich für Alles, was uns beim Erreichen dieses Ziels helfen kann, ohne dass wir es bemerken oder es willentlich besser beeinflussen könnten. Im Prinzip genau so, wie wenn wir uns vornehmen auf alles Rote in unserer Umgebung zu achten und dieses wie von Geisterhand dort sichtbar wird, wo wir es gerade eben noch übersahen.
Im Sinn liegt eine Magie, die nicht von dieser Welt ist. Und die sollten und können wir uneingeschränkt nutzen.

Im Ziel liegt Klarheit

Fehlt ein sinnhaftes, klares und präzises Ziel, ist es wie auf einem Laufband: Wir stecken Kraft in Schritte, die uns nicht oder nur wenig voranbringen und trotzdem Unmengen an Zeit, Kreativität und Energie verschlingen. Ohne Ziel keine Effektivität und ohne Ziel keine Zeit. Und umgekehrt: Ein klares Ziel mobilisiert, bündelt und kanalisiert unsere wichtigsten Ressourcen Zeit, Kreativität und Energie, denn es schafft Klarheit, weist uns die Richtung.
Diese Klarheit lernt man zu schätzen, spätestens 14 Tage vor der Prüfung. Und die sollten und können wir uneingeschränkt nutzen, nicht erst 14 Tage vor der Prüfung.

Im Ziel liegt Motivation

Ein klug gewähltes Ziel besitzt die Kraft uns in einem Ausmaß zu motivieren, wie es stärker scheinbar lediglich immenser externer Druck oder die reine Not vermochten. Diese Motivation gründet in einem Gefühl der Wichtigkeit, nicht der Dringlichkeit, welches von Sinn und Klarheit gespeist wird. Es versetzt uns in die Lage dem Sog des Sofas zu widerstehen, ohne Druck und ohne Not. Und nicht nur das. Es lässt uns Dinge erschaffen, von denen wir vorher nur zu träumen wagten.
In einem Wort: Es schenkt uns jene Motivation, mit deren Hilfe wir unsere Träume wahr werden lassen. Auch die sollten und können wir uneingeschränkt nutzen.

Zusammenfassend könnte man sagen, dass ein sinnhaftes, klares und präzises Ziel unser Navigationssystem darstellt: Es weist uns den richtigen Weg, schützt uns davor die richtige Ausfahrt zu verpassen und erlaubt es uns, volle Konzentration in den gegenwärtigen Schritt, das Hier und Jetzt zu investieren.
Doch wie findet man in der Fülle von Systemen das passende für sich heraus?

Wie findet man DAS Ziel?

Indem man nach dem „Warum?“ fragt:

Warum lerne ich, was möchte ich, was ist mein ZIEL?

Diese Frage ist elementar. Bevor sie nicht vernünftig beantwortet wurde, ist aller Anfang mehr als schwer, vom Durchhalten ganz zu schweigen. Und diese Frage ist ein Geschenk, denn nur sie schafft Klarheit, schenkt Motivation, verleiht Sinn.
Fragen wir nach dem „Warum?“, finden wir unser Ziel. Oder besser es findet uns. Wenn wir uns dann gefunden haben, schreiben wir es auf. Eine auf diesem Wissen basierende Antwort könnte beispielsweise so lauten:
„Ich möchte am 21., 22. und 23. 4. 2009 sieben von zehn Fragen richtig beantworten.“ Oder:
„Ich möchte eine (zwei, drei,…) Wochen vor meiner Prüfung die zehn (15, 20, …) relevantesten Krankheitsbilder pro Fachgebiet absolut sicher drauf haben.“

Der Wortlaut spielt keine große Rolle, nur sinnhaft, klar und präzise muss es sein. Ein „Hauptsache bestehen“ erfüllt keine der genannten Eigenschaften.

Dies ist also der allererste Schritt einer optimalen Lernvorbereitung:
Frag nach dem WARUM, formuliere die Antwort so präzise wie möglich und schreibe sie auf.

Und dies ist im Prinzip auch Alles, was ein STEXler darüber wissen muss.

Doch die STEXDOSE wäre nicht die STEXDOSE, wollte sie nicht ein paar wertvolle und in Aktion erprobte Tipps mit ihren Lesern teilen.

5 Tipps, wie man die Kraft der Ziele optimal für sich nutzt

1. Das Ergebnis geistig vorwegnehmen

Wie weiter oben bereits erwähnt, stecken in einer sinnvoll und präzise gewählten Antwort auf die Frage  nach dem „Warum?“ unbewusste Kräfte. Um diese noch stärker zu mobilisieren, tu Folgendes: Nimm dir ein paar Augenblicke Zeit und stell dir vor, wie es sein wird, wenn du dein Traumziel wirklich erreicht hast. Und zwar in allen Facetten und Details: Was siehst du? Wie fühlt es sich an? Was sagen Freunde und Familie? Usw. Genieß das Gefühl, das sich in dir entfaltet, saug es auf und speichere es wie den Geschmack einer frischen, spanischen Orange. So richtest du dein Unbewusstes mit dem vollen Repertoire seiner Kapazitäten auf dein Ziel aus. Und so versenken Fußballer im Finale ihre Elfmeter.

2. Ein großes und einige kleine Ziele

Setz dir ein großes, also DAS Ziel für dein Projekt Staatsexamen. Und setze dir viele kleine Ziele für die vielen Tage, an denen du auf DAS Ziel hinarbeitest. Ich mache es mittlerweile so, dass ich morgens die 5-7 wichtigsten Ziele meines Tages auf einer Unterlage notiere. Ich mache mir klar, was ich an diesem Tag erreichen möchte, bevor mein Verstand auch nur irgendwie verschmutzt werden konnte und bevor ich beginne, irgendetwas zu tun. Es geht mir dabei nicht nur darum irgendetwas richtig zu tun, sondern darum das Richtige zu tun. Habe ich eine Sache erledigt, hake ich sie ab. Herrlich!

3. Weniger ist mehr

Nutze solche Zielvereinbarungen umsichtig, denn sind sie wirklich gut, können sie dich zu überragender Leistung pushen. Gleichwohl bist du keine Maschine, die ständig am Limit produzieren kann (es sei denn, du möchtest eine sein).  Auch hier ist weniger mehr. Wie viel genau, ist individuell unterschiedlich und u.a. abhängig von Umfang und Intensität der Ziele sowie der individuellen Stresstoleranz. Ich habe für mich festgestellt, dass maximal 2 große und 7 kleine, dafür aber umso bestimmtere Ziele nebeneinander mehr bringen als beispielsweise 10. Hier liegt mein Bereich zwischen Über- und Unterforderung. Wo deiner liegt, kannst nur du herausfinden.

4. Achten, was man schafft

Wir verstärken, was wir beachten.  Darum sollte es uns nicht um die 30 Fragen gehen, für die heute keine Zeit blieb, sondern um die 170, die geschafft wurden. Bemerkenswert sollte nicht sein, wie oft man dem Sog des Sofas doch verfällt, sondern wie häufig man sich stattdessen am Schreibtisch diszipliniert. Die eigene Arbeit (genau wie die Arbeit anderer) zu achten und zu würdigen ist eine gute Möglichkeit, selbstzerstörerisches Gedankengut auf Sparflamme zu halten.

5. Abends niemals an morgen denken

Nach einem harten Lerntag gibt es aus meiner Erfahrung kaum Destruktiveres, als sich vor dem Einschlafen Gedanken über die Masse an Zielen zu machen, die am nächsten Tag eine Rolle spielen KÖNNTEN. Mach das niemals! Die Lücke zwischen dem Hier (Abend) und dem Dort (Morgen) bleibt zwangsläufig leer. Und das produziert ganz automatisch Stress. Nutze den Abend als eine Art Heimkehr, damit du am nächsten Morgen gestärkt die Welt verbessern kannst.

Gut, dies soll zum Thema Zieldefinition im Hammerexamen genügen. Im nächsten Post folgt mit der Lernstrategie Schritt Zwei einer strukturierten Examensvorbereitungsvorbereitung.

Falls euch dieser Artikel etwas gebracht hat, freut mich das sehr und ihr seid mehr als willkommen, mir zu schreiben, in zu verlinken oder an Freunde zu senden. Falls nicht, schreibt mir trotzdem.

Vielen Dank!

Euer Matthias

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Optimal Lernen für das Hammerexamen: 1. Schritt - Das Ziel, 5.0 out of 5 based on 11 ratings

5 Kommentare zu “Optimal Lernen für das Hammerexamen: 1. Schritt – Das Ziel”

  1. Hallo Matthias,

    mit großem Interesse habe ich Deine Zeilen gelesen. Ich habe mir einige Notizen gemacht und freue mich sehr darauf sie umzusetzen.
    Bis heute war tatsächlich auch mein Ziel „Hauptsache bestehen!“, dies hat sich seit Deinem Artikel geändert.

    Vielen Dank!
    Karin

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