von Matthias am 27. November 2008

why yes.

Manche mögen sie, die meisten fürchten sie, einige überlastet sie:

Die mündliche Prüfung.

Mich findet man normalerweise in der ersten Gruppe. Dem jüngsten Ereignis zun Trotz. Und vielen, die ich kenne, geht es ähnlich.
Trotzdem ist und bleibt sie doch eine riesige Herausforderung, auf die jeder Mensch unterschiedlich antwortet. Was meine Antwort mich lehrte, soll Inhalt der folgenden Zeilen sein.

Zunächst die gute Nachricht: Jeder kann die mündliche Prüfung bestehen, ein solides Grundwissen vorausgesetzt. Jeder!
Die weniger gute Nachricht: Ein großer Teil des Resultats liegt weder in der Hand deines frisch erworbenen Wissens noch in deiner. Ein wirklich großer Teil.

Doch Schritt für Schritt.

Eine struktierte Vorbereitung ist wichtig. Punkt.

Doch die beginnt nicht erst 14 Tage davor.

Aus meiner Erfahrung greift das gestresste Prüflingshirn auf solide Fakte zurück, Dauermieter im Neuronendschungel, Stammspieler mit Erfahrung und Leitwolfcharakter.
Davon abzugrenzen ist das spezielle, prüfungsprotokoll-basierte Wissen, die Vorlieben eines Prüfers, junge Dribbeler mit Jokerqualitäten. Ob die nun wirklich auflaufen dürfen, steht auf einem völlig anderen Blatt.

In jedem Fall ist es die Mischung aus Stammspielern und Dribblern, die auf der Ebene der Fakten Erfolg versprechen.

Ist das alles? Ich meine, nein.

Leitwölfe und Dribbler können sich hohe Ziele setzen und sowohl Körper als auch Geist zu Topform trainieren. Doch regnet es, rutschen sogar die Erfahrenen und verspringt den Jungen der Ball:
Wie habe ich geschlafen? Wie liefen die letzten Tage der Vorbereitung? An welcher Position stelle ich meinen Patienten vor? Habe ich zu dem gefragten Thema eine gute Beziehung? Liegt mir die erste Frage? Wie ist der Prüfer heut so drauf? Und und und. Nenn es Schicksal, Glück, Karma oder wie auch immer.

Tatsache ist, dass nicht alles in der Hand deines Wissens und in deiner liegt. Bevor du das nicht akzeptieren kannst, brauchst du nicht weiterzulesen.

Ok, hab’s verstanden. Dann kann ich ja jetzt aufhören mit der Lernerei, oder?

Klar, kannst du. Wenn du bereits alle wichtigen Krankheitsbilder und alles Prüferwissen drauf hast – kein Ding.
Solltest du aber meinen, du könntest der 55-38-7-Regel (nach Albert Mehrabian) blind vertrauen, deinem charmanten Lächeln den hochgestellten Kragen nachsenden und damit erfolgreich sein, wirst du ziemlich sicher scheitern.
7% Inhalt am Gesamtpaket „Kommunikation“ gelten vielleicht bei Schauspielern oder Verkäufern, in der Medizin aber folgt immernoch die Form dem Inhalt, nicht umgekehrt.

Was soll dann das Ganze hier?

Es soll dir 3 Dinge bewußt machen:

  1. Das Lernen für die mündliche Prüfung beginnt mit dem ersten Tag deines Studiums. Darum nutze jeden einzelnen, so gut du kannst, schalte einige Tage vor dem Event auf Höchstleistung, aber mach dich nicht verrückt! Das Wissen, was du brauchst, ist bereits da.
  2. Allein freundliches, selbstbewußtes und respektvolles Auftreten im Team mit Leitwölfen und Dribblern gewinnt das Finale!
  3. Du solltest es besser machen als ich, darum:

Erarbeite dir kontinuierlich die wichtigsten Krankheitsbilder (oder Gesetze, Marketingstrategien, …) bereits im Studium nach einem festen Schema, mit Büchern, die dir liegen und wiederhole sie kurz vor deiner Aufführung noch einmal.

Lerne wenn es soweit ist die Prüfungsprotokolle mit dem Bewusstsein, dass sie wichtig sind, aber nicht alles.

Trainiere deine Körpersprache wie deinen Geist genau so intensiv, wie du lernst und umgekehrt.

– In der Prüfung: Bewahre Ruhe, nimm deinen Atem in den Mittelpunkt, halte ihn dort und folge ihm.

– Sitz würdevoll und lächele, nicht nur, aber besonders dann, wenn du an der Reihe bist. Denke daran, wie einmalig und priveligiert es ist, was du gerade erlebst. Genieß es!

– Bekommst du eine unangenehme Frage, dann denke laut. Zeig den Prüfern, dass du es dir herleiten möchtest.

– Wenn es wirklich nicht anders geht, wage den Versuch, das Gespräch in wärmere Gewässer zu lenken. Einmal.

– Falls du mal musst, dann geh während eines Wechsels der Prüflinge, beiß in einen Riegel und mach ein paar Stretching-Übungen.

– Und das Allerwichtigste: Lass nicht zu, dass etwas in dir deine Leistung oder gar deine Persönlichkeit an die Note knüpft.
Es geht nicht darum, was du weißt, sondern darum, dass du bereit bist, zu wissen, dass du manches eben nicht weißt.

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